Überraschungen
Sonntag, 15.30 Uhr: Der Kindergeburtstag, auf den meine Ältere eingeladen ist, hat bereits vor einer halben Stunde begonnen. Ich bin am Rande des Nervenzusammenbruchs, denn mit Wochenende war bisher noch nicht allzu viel. Statt meine Zeit mit Faulenzen und Dolcefarniente zu verbringen, habe ich meine Zeit damit vertrödelt, Angebote für Menschen zu schreiben, die meinen Beipackzettel nicht gelesen haben – sei’s drum.
Ich bin dabei die halbe Welt zu verfluchen: “Wie ist die nur darauf gekommen, den blöden Geburtstag an einem Ort mitten in der Pampa zu veranstalten. Eine Stunde Auto fahren wegen einem doofen Kindergeburtstag. Wieso hast Du nicht gleich gesagt, dass wir nicht kommen. Ich bleibe hier.” Sie merken schon: Bombenstimmung im Hause Wedgwood.
Einmal mehr das Mädchen als Zünglein an der Waage – jede Initiative meinerseits, den Event durch eine andere Attraktion zu ersetzen wird mit einem trotzigen Tränenausbruch und grossem Geschrei quittiert. Na gut. Ich gebe mich geschlagen. Missmutig schleppe ich meinen ausgezehrten Körper in Richtung Automobil. Auf geht’s in den Regenwald der Nordvogesen, um unseren Nachmittag auf irgendeinem langweiligen Grillplatz zu verplempern.
Kaum sitzen wir im Auto, schlafen die Kinder ein. Meine Frau und ich haben das erste Mal seit Tagen einen ruhigen Moment entspannten Plauderns. Urlaubsgefühle stellen sich ein…
Als wir am Grillplatz ankommen entpuppen sich die vermuteten komischen Fremdlinge als Freunde, sympathische Bekannte und nette Menschen. Die Kinder verschwinden im Wald und tauchen erst in der Abenddämmerung wieder auf: von Hunger nach leckeren Würstchen und Nudelsalat getrieben.
Wir Herren spielen Boule mit den übriggebliebenen Kindern, tun so, als könnten wir auch etwas mit den kleinen Geschöpfen anfangen und beschliessen vorsichtig die Gründung eines Boule-Clubs in Kehl.
Hier und da sitzen vereinzelte Grüppchen, in Gespräche und Geplauder vertieft. Ein wunderbarer Nachmittag und Abend auf einem herrlichen Fleckchen Erde mit wunderbar sympathischen Menschen.
Besser hätten wir den Sonntag nirgendwo sonst verbracht.
Was lernen wir daraus:
- Es gibt schöne Orte im Elsass.
- Es ist praktisch, wenn man blöde Einladungen bekommt und ein Auto hat, um hinzufahren.
- Es ist schön, wenn man Menschen kennt, die man gerne mag.
- Manchmal kommt etwas Gutes dabei heraus, wenn man seinen Kindern Wünsche erfüllt.
- Das Leben ist voller Überraschungen und manche sind angenehm.
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