Innere und äussere Kämpfe beilegen
Kennen Sie das? Sie wollen etwas erreichen, strengen sich an, verausgaben sich, gehen bis an Ihre Grenze und scheitern? Vielleicht haben Sie schon alles versucht, was in Ihrer Macht steht: sie haben sich weitere Fähigkeiten angeeignet, sich Unterstützung durch Kollegen und Partner gesichert, Ihre Strategie optimiert und dennoch machen Sie keine sichtbaren Fortschritte.
In solchen Momenten ist es manchmal hilfreich und nützlich, die Ebene der Intervention zu wechseln. Mir scheint, dass wir alle wichtigen Ziele in unserem Leben, sei es im Beruf oder im Privatleben, erreichen können, ohne uns hierfür verausgaben zu müssen. Wo Kampf ist, ist die Niederlage nicht weit. Was wir durch Kampf errungen haben ist zudem immer gefährdet und gerne mit einem bitteren Beigeschmack behaftet. Darüberhinaus kommt einem bei all dem Kämpfen gerne die Leichtigkeit abhanden.
Es scheint allzu oft, als kämpften wir gegen irgendetwas da draussen: die Umstände, die Mitbewerber, die Kunden und Kollegen, unsere Unfähigkeit, unsere Unentschlossenheit, unsere Not. Doch genauso oft trügt dieser Schein. In vielen, wenn nicht den meisten Kämpfen, die wir uns in unserem Alltag gönnen kämpfen wir nicht gegen irgendetwas da draussen, sondern wir sind nur Marionetten in einem inneren Theater der Vergangenheit.
Innere Kritiker sprechen zu uns, oft ohne dass wir es bemerken: “Das kannst Du nicht!”, “Das braucht keiner!”, “Das machen andere schon und zwar viel besser!”, “Das glaubt Dir sowieso keiner!”, “Das wirst Du nie schaffen!”, “Wenn Du so weiter machst, dann wird nie etwas aus Dir!” etc.pp.
Innere Antreiber stehen mit der Peitsche neben uns: “Du musst Dich mehr anstrengen!”, “Wenn Du nicht das und das tust, dann wird es böse mit Dir enden!”, “Gib alles und besser noch ein bisschen mehr, sonst…”
Es gibt die inneren Zweifler, Saboteure, Erniedriger, Überflieger, Götter, Teufel, Intriganten und Betrüger. All diese Stimmen in uns führen ihre Kämpfe und liefern sich Scharmützel. Aber sie begnügen sich nicht damit. Sie wollen, dass diese Scharmützel auch äusserlich wirken, um der inneren Kommunikation Kraft, Würze und Standing zu verleihen. Denn wie glaubwürdig ist ein innerer Kritiker, wenn äusserlicher Erfolg ganz entspannt möglich ist? Wie viel Kraft hat ein innerer Antreiber, wenn die schönsten äusseren Ergebnisse mit grosser Gelassenheit und Souveränität erreicht werden?
Wir können uns noch so sehr auf den operativen und strategischen Ebenen abstrampeln. Wenn wir nicht in unserem Innern aufräumen, dann bleiben wir nur im Kämpfen und machen uns zum Spielball von Dynamiken, die häufig äusserst wenig mit unseren eigenen, tiefen Interessen und Bedürfnissen gemein haben.
Was liegt näher, als der Versuch, diese inneren Quertreiber unter Kontrolle bringen zu wollen. Das legt jedenfalls der innere Antreiber nahe. Das Bestreben allein, den inneren Dialog der einzelnen Partner zu steuern, inhaltlich zu verändern oder bestimmte Akteure aus der eigenen Innenwelt komplett zu verbannen bringt allzu häufig einfach einen neuen Kampf auf einer anderen Ebene hervor. Eine Lösung liegt dort selten.
Allerdings gibt es eine schöne Methode aus dem NLP, um mit diesen Phänomenen umzugehen. Im NLP spricht man von den Submodalitäten. Sie können aufmerksam auf Ihren inneren Dialog achten und herausfinden, von wo aus eine innere Stimme spricht (vorne, hinten, seitlich, oben, unten), in welcher Stimmlage (hoch, mittel, tief), welcher Lautstärke (laut, leise), mit welcher Qualität (fragend, befehlend), aus welche Entfernung (nah, fern), Geschlecht (Mann, Frau), Sprechgeschwindigkeit (schnell, langsam).
Wenn Sie eine tolle Projektidee haben, die ziemlich gewagt und ziemlich gross angelegt ist und Sie einen inneren Kritiker haben, der alle Ihre Bestrebungen mit grosser Ausdauer und Konsequenz sabotiert, dann kann es sein, dass diese Stimme von einer Frau repräsentiert wird, die rechts von Ihnen, in fünf Meter Entfernung steht, mit kaltem Blick auf Sie nieder blickt und Ihnen mit ebenso kaltem, emotionslosem und schneidendem Ton schnell entgegen zischt: “Das kannst Du sowieso nicht. Du bist und bleibst ein Versager.” Es kann auch sein, dass Sie eine Person aus Ihrer Vergangenheit ganz eindeutig mit diesem inneren Kritiker identifizieren können.
In einem ersten Schritt können Sie sich jetzt fragen, wie ein inhaltlich hilfreiche Aussage lauten könnte. Zum Beispiel: “Das ist eine gute Idee. Ich finde es mutig, dass Du Dich solch einer Herausforderung stellst. Was könnte der nächste konkrete Schritt sein, um Deinem Ziel ein kleines bisschen näher zu kommen? Was glaubst Du, brauchst Du noch, damit Du umsetzen kannst, was Du Dir da vorgenommen hast?” Im zweiten Schritt können Sie die Submodalitäten auf “hilfreich” umstellen: z.B. auf Augenhöhe, gegenüber, eine warme, ermutigende, wohlwollende und entschlossene Stimme, relativ nah, die in entspanntem Tempo spricht.
Welche Submodalitäten eines wohlwollenden, konstruktiven Kritikers für Sie funktionieren, das können Sie nur individuell für sich selbst herausfinden. Vielleicht gibt es auch hier eine Person, die Sie persönlich, aus den Medien, aus einem Buch oder irgendeinem Kontext kennen, welche für Sie einen solchen Unterstützer verkörpert.
Begrüssen Sie diesen neuen Akteur mit Wohlwollen und Dankbarkeit.
Sollten Sie zu der Erkenntnis gelangen, dass Sie den destruktiven Kritiker für Ihre weitere Entwicklung nicht mehr brauchen, dann können Sie sich bei ihm für die lange Treue und das grosse Engagement bedanken und Ihn aus Ihrem Leben entlassen. Versichern Sie ihm, dass Sie einen guten und geeigneten Nachfolger gefunden haben, der in der aktuellen Situation besser geeignet ist, Ihre Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen.
So können Sie mit all Ihren inneren Bremsklötzen und Nahkämpfern umgehen. Nach und nach stellen Sie so ein inneres Team zusammen, das Sie bestmöglich unterstützt. Sollte sich einer der alten Gefährten wieder aufdrängen wollen, dann bedanken Sie sich dafür, dass er sich so rührend um Ihr Wohlergehen sorgt, versichern Sie ihm, dass es jetzt ohne ihn geht und verabschieden Sie ihn erneut.
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27. Juli 2007 um 08:31
…vielleicht sollten Sie diesen Text einmal Frau Cremer-Altgeld zusenden. Einen Versuch wäre es wert.
Herzlichst
Martin Marx
27. Juli 2007 um 09:49
Lieber Herr Marx
Sicher könnte ich ihn Lilli Cremer-Altgeld zusenden. Darf ich fragen mit welchem Ziel? Das ist mir in Ihrem Beitrag nicht klar geworden.
Herzlich
Martin Wedgwood
27. Juli 2007 um 15:34
…klar dürfen Sie mich das fragen, Herr Wedgwood.
Wie Sie ja vielleicht schon wissen, hat mich Frau Cremer-Altgeld gestern aus Ihrem Forum „Hochbegabung – Drama oder Erfolgsstory?“ aus – wie ich meine – nichtigen Gründen ausgeschlossen, womit sie sich für mich in Ihrer Funktion als Coach für hochbegabte Persönlichkeiten eindeutig disqualifiziert hat.
Insbesondere halte ich Frau Cremer-Altgelds Fähigkeiten im Bereich Kritik-, Konfliktfähigkeit und Selbstreflexionsvermögen momentan für nicht ausreichend, was sich darin äußert, dass sie mir schrieb, keine weiteren Mail mehr von mir zu lesen und, falls ich ihr unaufgefordert maile, meine Mailadresse zu sperren.
Da ich davon ausgehe, dass derartige negative Persönlichkeitseigenschaften nicht ohne Auswirkungen auch auf andere Mitmenschen, so z. B. auch die Forenmitglieder im Forum „Hochbegabung – Drama oder Erfolgsstory?“ bleiben, hielte ich es für sinnvoll, wenn vielleicht Sie sich Frau Cremer-Altgelds Problems annehmen würden.
Als einen ersten Schritt könnten Sie Frau Cremer-Altgeld eben dann Ihren Text zusenden, um ein wenig zum Nachdenken anzuregen. Vielleicht aber haben Sie ja eine viel bessere Idee?
Herzlichst
Martin Marx
28. Juli 2007 um 11:03
Lieber Herr Marx
In dieser Angelegenheit habe ich nichts beizutragen. Es sei denn ich wollte mich auf irgendeine Seite schlagen und Ihre Einschätzungen teilen, wozu ich keine Veranlassung habe.
Sie wissen sicher, wie das mit der Kommunikation über Bande läuft. Meistens kommt dabei nichts Hilfreiches heraus.
Darüberhinaus kann ich Ihnen versichern, dass Frau Cremer-Altgeld als Coach für hochbegabte Persönlichkeiten Ausserordentliches leistet. Gerade weil sie sich die Freiheit nimmt, Wahrheit und Intuition in der Wertigkeit vor Konventionen und Allgemeinplätzen anzusiedeln.
Ein Vorgehen das ich nicht nur schätze, sondern durchaus als nachahmenswert empfinde.
Das Thema “Hochbegabung” braucht klare und direkte Kommunikation und einen äusserst ernsthaften Umgang, wenn die “Begabten” zu einem erfüllten Leben finden wollen. Wenn eine Unterstützung in dieser Richtung irgendwie geleistet werden kann…
Bequemlichkeit und sympathisches Schwimmen im Strom gleicher Meinungen und wohlgeformter Rede, “angemessenen” und gemässigten Verhaltens muss und darf hier manchmal auf der Strecke bleiben um höherer Werte willen.
Ich kenne den Gegenstand Ihrer Auseinandersetzung nicht. Im Zentempel gibt es eine einfache Regel, wenn man aus dem Tempel geworfen wird: man erkennt seinen Irrtum (wenn es einen gibt), kehrt zurück (wenn man das wünscht), entschuldigt sich mit einer Niederwerfung (wenn man dazu in der Lage ist) und lernt (was sich in geändertem Verhalten zeigt).
Keine Ahnung, wie man in den XING-Foren damit umgeht. Das schwierigste scheint mir oft, anzuerkennen, dass man Lernender ist und bleibt, dass es an Orten Regeln gibt, die beschützt werden müssen und dass sich die wahren Irrtümer, denen wir erliegen nicht jene sind, zu denen wir direkten Zugang haben.
Ich werfe mich zehnmal nieder vor meiner Befangenheit in diesen Dingen und meiner schwach ausgeprägten Fähigkeit hilfreich intervenieren zu können.
Herzlich
Martin Wedgwood
28. Juli 2007 um 21:45
…dass Sie für mich in diesem Falle nicht intervenieren wollen ist für mich o.k., Herr Wedgwood. An Ihrer Stelle würde ich genauso entscheiden.
In den “Zen-Tempel” von Frau Cremer-Altgeld werde ich ganz sicher nicht zurückkehren.
Herzlichst
Martin Marx
11. August 2007 um 06:43
Auch wenn ich nach dem Lesen der bisherigen Kommentare hier nichts mehr wirklich Spannendes beizutragen habe, trotzdem nur ein kleiner Gedanke am Rande, der den Erkenntnissen im Blog nicht zu widersprechen wagt ]:) :
Kampf bedeutet auch Widerstand, der überwunden werden muss um weiter zu kommen. Ist es nicht eine der (zahlreichen) menschlichen Eigenschaften, sich ständig aufs Neue zu beweisen, Grenzen weiter hinauszuschieben, also äussere und/oder innere Barrieren zu überwinden um Fortschritt zu erzielen? Oder andersrum gefragt: Ist Kampf per se schlecht?
11. August 2007 um 12:15
Da gebe ich Dir sehr wohl recht, Tom. Es gibt auch den spielerischen Kampf, womit der künstlich aufgeworfene Gegensatz aufgehoben wäre.
Die Frage bleibt: Wie kann ein Kampf spielerisch statt verbissen werden? Wie können wir in der Auseinandersetzung mit der Welt die Prinzipien des Aikido verinnerlichen statt jene des Thaiboxens?
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann sind die Kämpfe, welche wir inszenieren immer nur nach aussen verlegte Lernspiele. So verstehe ich auch Deinen Kommentar hier. Der wahre Kampf, die wahre Auseinandersetzung ist immer jene mit den eigenen Vorlieben und Gewissheiten. Der wahre Kampf dient in den meisten Fällen, dass Erreichte, Gesicherte, den Status Quo gegen bedrohliche Veränderung abzusichern.
Wenn wir erkennen, wo der eigentliche “Gegner” sitzt, dann ändert sich noch nicht die Qualität des nach aussen verlagerten Schauspiels. Allerdings halten wir dann den ersten Schlüssel zur Tür unserer Weiterentwicklung in Händen.
Gunther Schmidt hat, glaube ich, den Satz geprägt “Wir sind viele” und die Idee der inneren Konferenz. Sobald wir anfangen spielerischer und variantenreicher bei unseren inneren Konfliktparties zu werden, entspannt sich jede Form des Konflikts weg von Krampf und Schmerz hin zu Tanz und vergnüglichem Wettkampf.
15. August 2007 um 15:34
Um inneren Frieden zu erreichen, muss man den inneren Kampf mit sich selbst schon wollen. Wer indes krampfhaft nach Harmonie strebt, wird seinen inneren Frieden niemals finden und betrügt sich selbst.
Martin Marx
27. April 2008 um 10:36
Ja, der innere Kritiker sieht sich eben als Experte in jedem Gebiet und mischt sich überall ein.
Wie man mit diesem inneren Anteil umgehen kann, wie er entstanden ist usw. habe ich in einem längeren Artikel beschrieben.