Hasta la VISTA, baby!
War ja klar. Konnte man sich ja denken. Da habe ich vor vier Wochen mein neues Lenovo Notebook bestellt (Sie werden jetzt sagen: “Selbst schuld, wenn er sich keinen Mac kauft.”) mit knackeneuem Windows VISTA drauf. “Na ja, schau ich mir das mal an”, hab ich mir gedacht, und das Teil frisch und fröhlich hochgestartet.
Alles schön und gut, meine kleinen Lebensnotwendigkeiten, Outliner, Grafikprogramme, Bulk-Mailer, Skype und was ein moderner Selbständiger im Internetzeitalter so braucht, installiert. Meine reine, neue, leere Thunderbird-Version (welch ein Genuss) mit den Emaildaten der Vergangenheit vollgestopft. Schlussendlich sass ich da, erfüllt, nach getaner Arbeit, bereit, mich den neuen Herausforderungen meines produktiven Daseins zu widmen. Schön sah es aus. Nett eingepackt. Ein bisschen bunt und glänzend, spiegelnde Buttons und der ganze Kram.
Ein paar Tage später kamen die ersten unheilvollen Ankündigungen schwerer Erbkrankheiten, welche dieses neueste Kind aus Redmond, U.S., mit auf die Welt gebracht hatte. Dubiose Fehlermeldungen, irgendwelche Authentifizierungsprozesse könnten nicht meht gestartet werden. Die Möglichkeit, Lösungen für das Problem im Internet zu suchen, welche mir angeboten wurde, nahm ich gerne an, wohlwissend, dass hier keine Lösungen gefunden würden und es nur darum ging, mich einmal mehr für dumm zu verkaufen.
Nach zwei Wochen, ich hatte gerade die Treiber für meine Logitec-Webcam installiert, war dann endgültig Schluss mit lustig. Es konnte keine weitere Software mehr installiert werden. Die fiese Software, welche mich in die missliche Lage gebracht hatte, liess sich nicht mehr deinstallieren. Systemkritische Applikationen verweigerten die Zusammenarbeit und ich die weitere Auseinandersetzung mit diesem Müll aus der Microsoft-Schmiede. Das Thema Digital Rights Management, Viren und Trojaner erspare ich Ihnen hier.
Wie angenehm leicht, geradezu beflügelnd, fühlte es sich an, Kubuntu herunterzuladen. Das ISO-Image auf eine feine, silberne Scheibe zu brennen, den Rechner durchzustarten. Beim Anblick der schönen, weiten Fläche des KDE-Desktops schlug mein Herz höher. Ich musste seufzen und konnte das erste mal seit längerem (meine XP-Installation auf dem alten Schlepptop hatte mich bereits geraume Zeit gequält) wieder ganz entspannt durchatmen.
Es brauchte nur einen kleinen Klick auf das Desktop-Icon “Life install”: der freundlichen Nachfrage, ob ich tatsächlich die ganze Festplatte abräumen wollte kam ich ebenso freundlich, wie entschlossen mit einem heiteren “Ja” entgegen. In nullkommanichts putzten die modernen Heinzelmännchen im afrikanischen Pinguin Frack die Platte sauber von der Betriebssytemfatamorgana.
Wie gut fühlt es sich jetzt an, unter Kubuntu Linux zu arbeiten, Kontrolle über alle Prozesse zu haben. An meiner grafischen Oberfläche kann ich herumzubasteln wie ich will. Eine unglaubliche Anzahl von coolen, produktivitätsfördernden Applikationen (mehr davon in nächster Zeit) installiere ich mit einzeiligen Befehlen. Sauber und korrekt. Es gibt wirklich keinen Grund, ein Microsoft-Betriebssystem auf dem eigenen Rechner zu haben. Geschweige denn, Geld dafür über irgendeine Ladentheke zu reichen. Höchstens um mieses Produktdesign zu studieren. Oder als erstaunlicher, alltäglich sichtbarer Beleg dafür, dass sich alles, aber auch alles verkaufen lässt, vorausgesetzt man verfügt über eine massive Lobby, einen riesigen Marketingapparat und ausreichend Geld, um ganze Gesellschaftsschichten zu brainwashen.
Und wenn Sie sehen wollen, was Ubuntu so alles kann, ohne dass Sie auch nur einen winzigen, kleinen Euro aus der Tasche ziehen müssen (Sie dürfen natürlich eine Spende für die Entwickler geben) , dann schauen Sie mal hier:
Ich sage nur: “Hasta la vista, baby” und surfe auf meinem Linux-Notebook in die frühlingshafte Abenddämmerung.
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17. April 2007 um 15:23
Nachruf auf VISTA
(für Wedgwood, Mister)
Dies ist der Ort, nichts zu bedauern,
(gibt’s ein Betriebssystem zum Trauern?) -
Wie war es doch in Kehl vordem
mit Schreibmaschinen so bequem!
Denn Gates, Bill (William) setzt Schranken
wofür wir herzlichst uns bedanken!
Ach, herrlich - das Geräusch im Schredder,
it makes me really just feel better.
Wernfried Hübschmann