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Reisen in der Nachbarschaft

Das Reisen bleibt noch ein paar Tage das Vergnügen der anderen. Natürlich, auch ich verreise: Donnerstag nach Düsseldorf und nächste Woche Mittwoch nach Berlin. Geschäftlich. Die anderen liegen am Strand, wandeln durch Museen, erkunden wunderbare Landschaften. Wir hocken in diesem badischen Nest und zählen die Tage, bis auch wir in die Fremde huschen können.

Aber das Gute liegt so nahe, wie es so schön heisst. Mein TiddlyWiki, in dem ich meine Standardlisten für wiederkehrende Prozeduren im Tages- und Wochenverlauf verwalte, hat heute “Moutainbiking” als Fitnessprogramm ausgespuckt. (By the way: TiddlyWiki ist ein Wahnsinnstool, aber davon ein anderes mal).

Das Radeln wollte ich mir für später aufsparen, als Belohnung für die mühsamen Passagen, die der heutige Arbeitstag mit sich brachte. Als sich der Himmel jedoch gegen 17.30 Uhr zuzog und es mit einem mal vorzeitig Nacht wurde in meinem Büro, fackelte ich nicht lange. Ich schwang mich auf den Esel, um noch schnell vor dem sich ankündigenden Regen meine müden Officeknochen zu rühren.

Eine Seniorenrunde über die Felder bescherte mir kleine Wunder. Die liegen so nahe, dass der Gedanke, wie oft ich daran vorüberrausche weh tut. Die Bauern hatten gerade die Wiesen gemäht und waren eilig damit beschäftigt, das geschnittene Heu mit der Ballenmaschine vor dem Regen einzufangen. Dazwischen aber stacksten langbeinige Störche mit ihren spitzen Schnäbeln. Dreiundzwanzig habe ich gezählt. Zwei Graureiher hatten sich auch darunter gemischt.

Ich fuhr so ziemlich ins Auge des Sturms, der Himmel currygelb und kubanisch grau. Die Pappeln bogen sich über mir unter wilden Böen gegen Boden, sodass ich schnell das Weite suchte. Dieses Zeug bricht leicht. Zuhause angekommen konnte ich gerade noch ein paar Klamotten von der Leine klauben. Kaum im Treppenhaus brach es herunter, wie aus Kübeln. Ein wunderbares Schauspiel, aus unmittelbarer Nähe im Trockenen genossen, wohlgemerkt.

Ferien? Woanders? Das Paradies liegt direkt vor der Nase. Immer. Nur, finden wir die Muße, den ganzen Alltagswust hinter uns zu lassen und in die Natur einzutauchen wie die Kinder? Was braucht es dazu, dass wir es nicht vergessen? Und was braucht es mehr? Ruhm? Macht? Reichtümer? Pustekuchen.

Wie heisst es so schön bei Hermann Hesse:

“Das ist das Herrliche an jeder Freude, dass sie unverhofft kommt und niemals käuflich ist.”

Gehen Sie mal wieder zu Fuss

Es ist ja hinlänglich bekannt, dass unser moderner Lebensstil nicht dazu angetan ist, uns als Zugabe zum erreichbaren Alter auch die entsprechende Gesundheit zu erhalten. Doch auch schon in jüngeren Jahren, gerne ab der dreissiger Marke, machen sich komische Dinge bemerkbar, wie Gewichtszunahme, Kurzatmigkeit, Rückenprobleme und andere unerfreuliche Nebenwirkungen des Komfortzonenbewohnens.

Nun gut, als Leser dieses Blogs sind Sie nicht wirklich gefährdet im Bereich ihrer Komfortzone zu vergreisen. Es sei denn, wir wollen Komfortzone hier etwas weiter fassen und Ihr kontinuierliches Streben nach neuen Herausforderungen, Abenteuern, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten hinzu nehmen. Aber unter uns: liegt Ihre Komfortzone wirklich im Bereich körperlicher Aktivität? Wieviel Zeit bringen Sie pro Tag im Büro, Auto, Zug, Flieger sitzend zu?

Die Tipps, welche Sie, als definierte Minimalanforderung, um an der persönlichen Gesundheit dranzubleiben, jeder Fitness-Broschüre entnehmen können: nehmen Sie die Treppe, statt Aufzug oder Rolltreppe, erledigen Sie Dinge zu Fuss oder Fahrrad, statt mit dem Auto, kurz, nutzen Sie ganz alltägliche Situationen, um Ihrem geschundenen Körper ein wenig Abwechslung zu gönnen.

Und weil ich “Parcour” in der Theorie, d.h. entspannt von meinem Schreibtischstuhl aus, so cool und anregend finde, möchte ich Sie hier gerne an den Quellen meiner Inspiration teilhaben lassen.

(Bin ich verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass diese Bewegungsabläufe schwierig sind und ein hohes Verletzungsrisiko bergen? Muss ich Sie darauf hinweisen, dass ich keine Verantwortung für etwaig enstandene Schäden bei der Nachahmung übernehmen werde?)

Viel Vergnügen beim Ausloten Ihrer Bewegungsmöglichkeiten.

Martin Wedgwood

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