Archiv der Kategorie ‘Entscheidungsfindung‘

 
 

Wahre Gelassenheit ist erblich

Anders ist die kühle Durchtriebenheit, mit welcher der Kandidat in der folgenden “Wer wird Millionär” Sendung zur Sache geht nicht zu erklären. Oft versucht, doch nie erreicht. Von solchen Triumpfen haben wir schon als Kinder geträumt. Heute träumen wir immer noch davon. Es kann nur einen geben und dieser eine ist kalt wie Eis.

Unsere französischen Nachbarn kommen da auf anderen Wegen zu anderen Ergebnissen. Das Klischee will ja, dass der Franzose sich stark auf sich und die Belange der “Grande Nation” hin orientiert. Zu welchen haarstäubenden Verirrungen das manchmal führen kann, davon legt der folgende Beitrag beredtes Zeugnis ab.

Der Evergreen der “Wer wird Millionär” Reihe: Horst Schlämmer knallhart. Hier wird kein Sitz geschont. Und der gute Herr Jauch zeigt, wie man’s macht.

Ist es besser Freunde oder Feinde zu haben?

Diese Frage beschäftigt mich dieser Tage. In einem XING-Forum ging es ziemlich heiss her und ich war mitten drin…

“Feind” ist natürlich ein starkes Wort. Die Grundfrage hier: kann man gut mit sich umgehen, kann man sich kraftvoll für das Einsetzen, was einem wertvoll ist, ohne damit Widerstand zu wecken, ohne dabei Menschen gegen sich aufzubringen? Natürlich nicht.

Ich habe über Jahre versucht, (sollte ich sagen, fast mein ganzes Leben) mich mit allen gutzustellen. Wenn mir Anmassung vorzuwerfen ist oder Selbstüberschätzung, dann nur, weil ich redlich gehofft hatte, dies sei möglich.

Was lerne ich jetzt? Das ich ausserordentlich mehr Wahlmöglichkeiten habe, heute, als ich als Kind hatte. An diese Freiheit und Macht über mein Leben muss ich mich erst noch gewöhnen. Ich werde die Richtigkeit meines Handels in Zukunft stärker an dem messen, wieviele Feinde ich mir mache. Das scheint mir ein guter Gradmesser für eine gesunde Entwicklungsrichtung. (Grossen Dank schulde ich hier (gerne) meinem Lieblingsengel).

Um Truman Capote zu zitieren “Erfolg ist so ziemlich das Letzte, das einem vergeben wird.”

Und hier eine kleine, feine Zitatensammlung zum Thema, welche ich im Aikidoforum eingesammelt habe:

Bevor man anfängt, seine Feinde zu lieben, sollte man seine Freunde besser behandeln.
Mark Twain

Ich würde keine Freunde haben, wenn ich nicht auch Feinde hätte, man kann nicht beides zugleich, kalt und warm, sein, und auf Kampf besteht das Leben in der ganzen Natur.
Otto von Bismarck

Größere Gegner gesucht. (Inserat von Karl Kraus in der Zeitschrift “Die Fackel”)
Karl Kraus

Ich bin verpflichtet, meinen Gegnern Argumente zu liefern, aber nicht Verstand.
Benjamin Disraeli

Man soll den Gegner nicht schlechter machen als er ohnehin ist.
Mark Twain

Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen.
Jean-Paul Sartre

In der Auswahl seiner Feinde kann man nicht sorgfältig genug sein.
Oscar Wilde

Unseren Feinden haben wir viel zu verdanken. Sie verhindern, daß wir uns auf die faule Haut legen.
Martin Kessel

Und zu guter Letzt (um das ganze kosmisch einzureihen):

Sieg erzeugt Hass, denn der Besiegte ist unglücklich.
Der Mensch, der sich von Sieg und Niederlage
gleichermaßen löst, ist befriedet, glücklich.
(Dhammapada, Kapitel 15, Strophe 201)

Viel Erfolg beim Feinde schaffen.

Need for speed.

Manch einer könnte sich schwer tun zu rechtfertigen, warum er manchmal nachts um zwei Uhr noch über seinem Rechner oder seinen Blättern sitzt. Allen guten Ratschlägen der Gesundheitsspezialisten zum trotz. Auch jenen des Körpers, welcher uns mit gnadenloser Regelmässigkeit (und Konsequenz) zurück an den Boden nagelt. Allein Rechtfertigungen sind so langweilig. Niemand würde heute fragen, warum sich Kafka die Nächte um die Ohren schrieb. Wer könnte ihm verzeihen, hätte er es versäumt? Aber es soll hier nicht um die Qualität der kreativen und mentalen Ergüsse gehen oder ihren Wert für die Um- und Nachwelt.

Es ist nur allzu offensichtlich, das soll hier Thema sein, warum klassische Work-Life-Balance- und Selbstmanagement-Ansätze, welche schon unter normalen Bedingungen schwer auf die Strasse zu bringen sind, bei Kreativen und Hochbegabten völlig zum Scheitern verurteilt sind. Von einem Exkurs über das Schlafbedürfnis Hochbegabter und Kreativer und die Wohltaten des stillen nächtlichen, arbeitsamen Alleinseins für einen hochproduktivitätsgierigen Familienmenschen will ich hier heute absehen. Darauf komme ich ein anderes mal zurück.

Natürlich ist nicht jeder begabte Wilde oder mit der Lizenz zum Wildsein Ausgestatte in der Situation, unter der Vielfalt seiner Möglichkeiten zu leiden. Für alle jedoch gilt, dass es mit Prioritäten, Eisenhower-Gedöhns, Pareto-Prinzip, positiven Affirmationen und Entspannungstechniken nicht getan ist. Im Gegenteil: Versuche, auf diesem Wege das eigene Leben “in den Griff zu bekommen” können das Gefühl des totalen Scheiterns noch vergrössern. Wie alle Versuche übrigens, auf trivialem Wege erledigen zu wollen, was, in den ersten Schritten jedenfalls, ein wenig komplexer ist.

Ein Porsche mit angezogener Handbremse und einhundertvierzig Stundenkilometern auf der Landstrasse stinkt und raucht einfach. Da hilft kein Aromabäumchen im Innenraum, da helfen auch keine zwanzig. Da hilft kein besserer Sprit, kein schöner Spoiler, keine breiten Reifen, keine Schalensitze und auch kein Fahrertraining. Nicht für die Landstrasse.

“Die Handbremse lösen” denken Sie. Aber das Geschoss ist schon mit einhundertvierzig auf der Landstrasse unterwegs und der Fuss liegt bleiern auf dem Gaspedal: “Need for speed!” Porsche und Porschefahrer sind nicht für die Landstrasse gemacht, noch weniger für den Stadtverkehr. Dies Wissen nützt dem Fahrer allerdings wenig, wenn er sich in einem Fiat fünfhundert glaubt und seine Fähigkeit einen Rennwagen zu kontrollieren für dubios, wenn nicht gestört oder grössenwahnsinnig hält. (Aber auch dies wäre ein Exkurs, welcher den hier gesteckten Rahmen sprengt.)

Ein Porschefahrer gehört mit seinem Vehikel auf die Autobahn und, um sich auf die Autobahn vorzubereiten, auf die Rennstrecke. Alles andere ist Pillepalle.

Wenn das Stinken aufhören soll, muss der Porsche dorthin, wo er hingehört und der Fahrer dort trainieren und lernen, wo er niemanden durch Geschwindigkeit und Unbändigkeit gefährdet. Es gibt nur einen Weg, das Stinken zu beenden: die Zeit auf der Landstrasse auf ein Minimum zu reduzieren. Der Rest erledigt sich dann von selbst, denn jeder Porschefahrer weiss sehr wohl, dass er und sein Fahrzeug sich erholen müssen, von Zeit zu Zeit, wenn beide auf ihre Kosten gekommen sind.

Der einzige Weg für Hochbegabte und Kreative so etwas ähnliches wie Balance in ihrem Leben (auf dem Hochseil) zu erreichen liegt dort, wo sie sich in den Dingen des Alltags so austoben können, dass sie zufrieden ins Bett fallen - zu welcher Tages- oder Nachtzeit auch immer. Das Nicht-merken oder Zu-deuten-Wissen der eigenen Bedürftigkeit nach angemessenen Anforderungen und Ausdrucksmöglichkeiten kann sonst dazu führen, dass sie sich die Nächte um die Ohren schlagen und sogar dabei erfolglos bezogen auf ihre Bedürftigkeit bleiben. Was dem Porschefahren mit angezogener Handbremse auf der Autobahn gleichkäme.

Wenn Sie Ihre Situation in den bisherigen Überlegungen wiedererkennen, dann sollten Sie sich vielleicht ernsthaft Gedanken darüber machen, ob Sie sich mit den richtigen Menschen, Dingen, Herausforderungen und Projekten in Ihrem Leben befassen. Oder ob Sie Ihre Lebenszeit wie Perlen vor die Säue Ihrer Entscheidungen von gestern werfen, als hätten Sie das Perlentauchen erfunden.

Die Knochen zu finden, aus denen Sie mit scharfer Klinge das nahrhafte Mark für Ihre intellektuelle und kreative Klösschensuppe herauslösen können, ist nicht immer einfach. Und suchen bietet hier die grösste Chance, nicht zu finden, da die Knochen meist nahe bei Ihnen liegen, aber nicht als solche erkannt werden. Nehmen Sie sich und Ihre Gaben ernst, damit Sie Erfolg und Gelassenheit (Gesundheit?) zum Traualtar geleiten können. Ich freue mich schon jetzt auf Ihren Nachwuchs.

Drop in. Drop out.

Beim Skateboardfahren nennt man den Moment, wo der Skater oben von der Kante der Halfpipe in die Wanne kippt als drop-in. Ein kurzer, schwebender Moment, der eine gewisse Entschlossenheit braucht, damit das ganze nicht in der körperlichen Katastrophe endet.

Einige meiner Beratungskunden haben mir in letzter Zeit von unterschiedlichen Situationen berichtet, in denen sie ausserordentlich litten: vor allem in Meetings (wer nicht?) und in Situationen kollektiver Geselligkeit. Ich persönlich schaue auf ein ganzes Martyrium der Adoleszenz und des Erwachsenseins zurück, während welchem ich mich bis aufs Letzte durch solche Horrorsituationen kämpfte. Die meiste Zeit gelang es mir glücklicherweise, die Orte des Schreckens zu meiden oder mich wenigstens in eine Lage zu versetzen, welche mir erlaubte, das Geschehen zu dominieren und somit spannend zu gestalten. Für mich jedenfalls. Was auch nicht immer glücklich machte im Miteinander.

Es ist beachtlich, mit welcher Entschlossenheit, man die eigene Person, das eigene Wesen, die eigene Psyche zur Verantwortung für die Misslichkeit der jeweiligen Lage zu ziehen geneigt ist. Denn dass es Langeweile und Unterforderung war, welche Komplikationen und Dissonanz mit der jeweiligen Situation und Gruppe schaffte, (welch unerhörte Anmassung, hüstl!) ist eine Erkenntnis, welche mir erst lange danach zu Teil wurde. Und welche in Ihrer Bedeutung erst dort volle, d.h. entspannte Kraft entfalten konnte, wo ich nicht mehr der Relation “Unterforderung = menschliche Überlegenheit und Höherwertigkeit” anlegte, welche sonst so schwer auf das Thema Begabung (wie hoch auch immer) von unterschiedlicher Seite gelegt wird.

Die entschlossene Unwissenheit, welche die jahrelange Duldung unerträglicher Situationen ermöglichte (hier als Kompetenz verstanden), rührt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der unfreiwilligen Übung, welche man in endlosen Jahren quälender Gefangenschaft in geschlossenen Räumen hinlegte. Das von aussen auferlegte Ziel, zu lernen, blieb unerreichbar. Nicht weil Lernen an sich unmöglich gewesen wäre, sondern weil das, was als Lernmöglichkeiten angeboten wurde umfassende Stolpersteine und unerträgliche Umwege gegenüber den eigenen waren.

Das Gefühl selbst an der Ursache des Problems zu stehen, statt den Misfit zwischen Kontext und Person zu begreifen (weil der Kontext über lange Zeiträume nicht in Frage zu stellen war) sitzt so tief, dass auch im Erwachsenenalter als Gefängnis konstruiert wird, was mit einer gesunden Portion Dreistigkeit und Mut zur Unhöflichkeit schon lange keins mehr wäre.

Auch wenn es wenige Formen, wie bspw. die OpenSpace Technologie, des gruppenspezifischen Zusammenarbeitens gibt, wo ein Kommen und Gehen abhängig von der eigenen Möglichkeit etwas zu lernen oder beitragen zu können (dürfen) “erlaubt” ist, gibt es doch Möglichkeiten, obengenannte (lebensrettende) Dreistigkeit vorausgesetzt, sich das Schlimmste zu ersparen.

Es gibt immer gute Gründe, zu einer Sitzung spät hinzuzustossen und sich früh wieder daraus zu verabschieden. Zumal, wenn Sie zu den Topleistungserbringern im Unternehmen zählen. Diverse kritische Projekte brauchen Menschen, welche situativen Anforderungen genügen können, auch um den Preis einige Sitzungen nur in jenen Passagen besuchen zu können, welche die eigenen Implikationen ins Unternehmen betreffen.

Auch familiäre Gründe können angeführt werden. Allerdings sind nicht alle Kulturen hier ebenso offen, wie den obenbeschriebenen Eskapaden der Leistunsgerbringer gegenüber. Ich nenne diesen Stil “drop-in, drop-out”. Sich hineinfallenlassen und wieder hinausfallenlassen.

Es gibt einige, welche dieses drop-in, drop-out, mental vollziehen: komplizierte Gleichungen im Kopf lösen, sich NLP-mässig oder autosuggestiv in andere Sphären beamen, spirituelle Übungen, wie achtsames Atmen oder Eutonie vollziehen, ToDo-Listen, Projekte oder sonstiges auf der Nebenspur weiterplanen. Über die französische Businesskultur kann man denken was man will (ganz zu schweigen vom Fahrstil der geliebten Nachbarn), aber die verbreitete Einschätzung, Multitasking sei ein Zeichen hoher Kompetenz, kommt dem schnell Gelangweilten ausserordentlich entgegen. Denn hier können Sie nach aussen verlegen, in Papier- und Stiftform wenigstens, was Sie in Deutschland nur hinter Ihrer Stirnplatte abfrühstücken dürfen.

Vermutlich sind dies ebenfalls brauchbare Optionen, wenn andere Wege verstellt bleiben. Unter der Prämisse, dass Sie von solchem Vorgehen in irgendeiner Weise profitieren (Arbeit erledigen, lernen, Spass haben, entspannen) und das Gefühl der vertanen Zeit in starker Weise gemildert wird.

Sollte keine dieser Optionen zur Verfügung stehen oder in geeigneter Form Entlastung bringen wären möglicherweise ernsthafte Überlegungen angesagt, Ihre Umwelt-Passung nicht auf Ihrer, sondern der Umweltseite zu verbessern. Im Journalistenberuf, so habe ich mir sagen lassen, gehört drop-in, drop-out zum Tagesgeschäft, bei Vertrieblern auch, als Selbständiger oder Unternehmer haben Sie auch die Möglichkeit, abhängig von Branche und Grösse des Unternehmens, regelmässig von einem Kontext in den nächsten zu fallen.

Vielleicht brauchen Sie aber generell höhere Anforderungen auf unterschiedlichen Niveaus, damit Sie nicht untergehen in Ihrer intellektuellen Bedürftigkeit. Überhaupt scheint es mir einer der wesentlichen Schlüssel zu einem erfüllten Leben für Kreative und Hochbegabte, sich Rechenschaft, vor allem im alltäglichen Handeln, über die präferierten Kontexte abzulegen. Und brauchbare Entscheidungen zu treffen. Auch über geeignete Frequenzen des Kontextwechsels. Aber davon ein anderes mal.

Viel Spass beim Rein- und Rausfallen.

Das Brangelina Jitt Modell

Es gibt Menschen, die behaupten, es gäbe keinen Zufall und solche, die behaupten es gäbe kein Schicksal. Ich gebe beiden Recht. Neulich war ich in Köln auf der Didacta, einer Messe, welche sich um Bildung und Lernen auf allen Ebenen dreht, als plötzlich meine Handy klingelte. Am Telefon ein Freund, der mich fragt, ob ich eigentlich EKS® kenne?

Na ja, die kannte ich. Herr Mewes hatte die vor einigen Jahrzehnten entwickelt und daraus ein nettes Konzept gebastelt, welches er an willige Unternehmer weiterverkauft. EKS steht für Engpasskonzentrierte Strategie und beschreibt einen Weg, wie geschäftstüchtige Menschen, ihr Unternehmen nachhaltig zum Erfolg führen können.

Nach einigen kommunikativen Nebenpfaden über Hypnose und Autohypnose beendeten wir unser Gespräch. Ich humpelte weiter über die Messe, ich hatte mir tags zuvor meine linke, kleine Zehe böse am selbstgebauten Sofa verstaucht, um wenige Minuten später über den Stand des “Strategie Forums e.V.” zu stolpern. Dieser Verein schafft einen guten, deutschen Rahmen für all die scharf ausgerichteten Unternehmer und Selbständigen, welche sich auf die Verdienste des obengenannten Strategiekonzepts berufen. Zufall? Schicksal?

Ehrlich gesagt war mir das ziemlich egal. Ich freute mich einfach mit einem Spezialisten über das Thema “Strategie” zu fabulieren und wollte wissen, inwieweit er wohl in der Lage sei, mit einem strategischen Wildwuchs wie mir klarzukommen. Ich kann sagen: er schlug sich wacker.

Die Fragen, mit denen ich ihn peinigte, waren die folgenden: “Soll ich mich auf ein bestimmtes Thema ausrichten, um mich damit als Spezialist zu positionieren oder soll ich weiterhin der Hans-Dampf-in-allen-Gassen bleiben, der ich war?” “Soll ich den Quasitod der vermeintlichen Langeweile sterben, indem ich mich entscheide, von all den schönen, interessanten Dingen zu lassen, um mich ganz einer Sache zu widmen? Oder soll ich meine Energie weiterhin in tausend unterschiedliche Richtungen laufen lassen und mich dabei vollkommen aufreiben?”

Kennen Sie solche Situationen? Zu viele Wahlmöglichkeiten? Zu viele Verführungen? Zu viele Pfade, die eventuell ins Glück führen, aber nicht den Mut, einen bis zum Ende zu gehen? Nein? Dann wird Sie der weitere Text vermutlich langweilen. Vielleicht schicken Sie ihn lieber an einen Menschen weiter, der ihn besser gebrauchen kann und nutzen Ihre Zeit anders.

Die Standardanregung eines weniger komplexen Menschen lautet grundsätzlich: “Mach’s doch nicht so kompliziert.” Und ein solcher glaubt tatsächlich, es gäbe triviale Lösungen für ein nicht-triviales Problem. “Weit gefehlt!” kann ich da nur ausrufen und um Ihnen den langen, steinigen Pfad der Erkenntnis ein wenig zu erleichtern, möchte ich gerne meine Gedanken zu diesem Thema mit Ihnen teilen und einen Lösungsansatz vorschlagen, den ich erprobterweise für gangbar halte.

Ein bisschen Theorie, wie Dilemmata auf hohem Niveau zu lösen sind. Ein Dilemma zieht seine ganze Kraft aus einer banalen Grundannahme: “Es gibt ein Problem und für dieses gibt es nur zwei Lösungsalternativen, welche beide gleichsam unerträglich sind.” Dilemmata gibt es in zwei Geschmacksrichtungen:

  1. Das Für-welchen-Partner-soll-ich-mich-entscheiden-Dilemma einer Dreiecksbeziehung: hier geht es um die Wahl zwischen zwei gleich positiven Alternativen. Man verliert immer das andere, ebenso Kostbare.
  2. Das Von-einem-Tiger-gejagt-werden-und-vor-einem-tödlichen-Abhang-stehen- Dilemma: hier geht es um die Wahl zwischen zwei gleich negativen Alternativen. Man kriegt in jedem Fall das, was man nicht will.

Nun zur Lösung: man knackt das Dilemma freundlich mit drei Alternativen zum Entweder-Oder (in Anlehnung an Varga von Kibèd und die buddhistische Logik):

  1. Sowohl als auch: Bigamie bzw. ein bisschen vom Tiger anknabbern lassen und dann in den Abgrund springen.
  2. Keins von Beidem: Ins Kloster gehen bzw. mit dem Tiger kämpfen und ihn in den Abgrund stossen.
  3. All dies nicht und auch das nicht: Gemütlich weiterleben und die anderen die Kinder machen lassen bzw. den Tiger in eine Ameise verwandeln und dann aus dem Alptraum Erwachen.

Die pragmatische Schlussfolgerung: wenn Sie zu den wilden unter den Unternehmern und Führungskräften gehören, dann verwirklichen Sie das Brangelina-Jitt-Modell.

Spezialisieren Sie sich im Beruf, verzetteln Sie sich im Privatleben oder in einer kreativen Aktivität, wie Malen, Schreiben, Musizieren, Theaterspielen und schicken Sie die Vertreter des protestanitischen Kapitalismus der Fuggers, Franklins, Webers und Rockefellers, die das Heil allein in der Arbeit versprechen in die Wüste ihrer eigenen heeren Ideale.

Spezialisieren Sie sich im Beruf auf Teufel komm raus. Und zwar radikal an zwei Dingen orientiert:

  1. Was fällt mir leicht?
  2. Womit verdiene ich gutes Geld?

Mit einer kleinen Ergänzung entsprechend Ihren ethischen Bedürfnissen (Sie haben doch welche, oder?):
Was kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren?

Räumen Sie radikal auf mit der calvinistischen Grundhaltung: Du musst Deinen ganzen Sinn, Deine Berufung, Deine Talente, Deine tiefsten Überzeugungen den ganzen Tag leben und damit Dein Geld verdienen. Damit tun Sie nicht nur sich, Ihrer Familie und Ihren Freunden einen Gefallen, Sie ermöglichen all den Menschen die jetzt und in Zukunft ihren Lebenssinn nicht mehr über Arbeit definieren können (weil sie keine finden), sich in guter Gemeinschaft zu fühlen. Darüberhinaus geben Sie sich die Chance, die Welt mit all den anderen Talenten, die sie Ihr eigen nennen zu beglücken.

Man mag über Angelina Jolie und Brad Pitt denken was man will. Aber die Beiden machen das wirklich nett: ein bisschen Schauspielern an der amerikanischen Westküste, ein bisschen in Kameras Lächeln, ein bisschen Teilhabenlassen am Privatleben und auf der anderen Seite viel Zeit, Energie, Ressourcen einsetzen für edle Ziele.

Die alten Griechen wären niemals auf die Idee gekommen, das Wichtigste im Leben sei Arbeit und das völlige Aufgehen im Beruf. Das Leben bestand für Sie darin, seine Fähigkeiten zu entfalten, zu lernen, die Natur des Menschen, des Universums zu ergründen und das alles in einer möglichst angenehmen Atmosphäre. Natürlich: es gab auch Sklaven und andere unerfreuliche Einrichtungen, aber der Mensch entwickelt sich glücklicherweise weiter: heute haben wir Roboter und Vollautomatisierung.

Die Kunst, die Musik, das Theater, die Philosophie, die Literatur, die Wissenschaften, die Religionen wären undenkbar ohne Menschen, die dem reinen Nutzendenken entsagt hätten. Geben Sie Ihrem schwäbischen Herzen einen Ruck. Nehmen Sie sich und Ihre Arbeit nicht so ernst. Denken Sie nicht nur an das, was Sie erreichen wollen, sonden auch daran, welches Leben Sie hier und heute führen wollen. Mit Ihrer Familie, Ihren Freunden, Ihren Mitarbeitern. Denken Sie ein bisschen darüber nach, wie Sie Ihre Energie sinnvoll, im leichten Sinne, einsetzen können, sodass die ganze Welt davon profitieren kann.

Ein Bekannter hat heute zu mir gesagt: “Ich habe keine Möglichkeit, die Menschheitsgeschichte zu beeinflussen.”

Wenn nicht Sie, wer dann?

Unerforschtes Gebiet

Vor uns liegt es. Fast unberührt. Zweitausendsieben. Wir stehen noch an den Rändern unerforschten Gebietes.Projekte aus dem vergangen Jahr strecken schon länger ihre Arme nach neuen Zeit- und Kraftressourcen aus. Termine liegen schon bunt, teilweise monolithisch grau in der Landschaft und geben dem Ganzen so etwas ähnliches wie Struktur. Aber es gibt noch Material und Spielräume zum Gestalten, Formen und Modellieren Ihres neuen Jahres.

Wissen Sie jetzt schon, auf welche Landschaft, welches Jahr Sie im Dezember gerne zurückschauen wollen? Angenommen, ich träfe Sie Ende November 2007 in einem Café. Sie strahlen bis über beide Ohren und sagen mir: “Das war ein Jahr. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Es hat sich wirklich gelohnt.”

Von welchen Projekten, Erlebnissen, Entdeckungen, Lernerfahrungen und schönen Begegnungen würden Sie mir erzählen? Was hätten Sie aus dem Jahr gemacht? Was hätten Sie dem Jahr und den Menschen um Sie herum erlaubt, aus Ihnen zu machen?

Mit einer Freundin habe ich vor Sylvester darüber philosophiert, ob es sinnvoller ist, sich grosse Ziele zu setzen, mit dem Risiko des Scheiterns, oder kleine, mit dem Risiko, hinter den eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben. Vielleicht ist das eine Frage des Temperaments. Ich möchte Ihnen die erste Variante ans Herz legen. Unter folgenden Bedingungen:

  1. Sprechen Sie bei grossen Zielen nicht von Zielen, sondern von Projekten.
  2. Strukturieren Sie diese Projekte in Meilensteine (grosse Teilergebnisse), überschaubare Ziele und konkrete Schritte.
  3. Suchen Sie sehr bewusst den Kontakt zu Menschen, welche in der Lage sind, Ihr Vorhaben wirklich zu schätzen.
  4. Messen Sie Ihren Erfolg am Ende nicht daran, ob Sie das Projekt zu 100% gemäss der ursprünglichen Planung umgesetzt haben.

Messen Sie Ihren Erfolg an den folgenden Kriterien:

  • Wie mutig war es, dieses Projekt in Angriff zu nehmen?
  • Wie gross ist die Zahl der konkreten Schritte, die Sie unternommen haben?
  • Welche Ziele haben Sie tatsächlich erreicht?
  • Welche Nebenziele waren Sie bereit, auf dem Weg zu integrieren?
  • Wie innovativ sind Sie mit Problemen unterwegs umgegangen?
  • Wie beweglich waren Sie in der Planung und im Umgang mit Ressourcen?
  • Welche Meilensteine haben Sie gesetzt und erreicht?

Und setzen Sie sich ab und zu auf einen dieser Meilensteine am Rande Ihres Weges. Ruhen Sie sich aus. Schöpfen Sie Kraft. Blicken Sie auf die zurückgelegte Wegstrecke zurück. Belohnen Sie sich. Feiern Sie ein bisschen.

Geniessen Sie den Blick über die Landschaft um Sie herum. Lassen Sie Ihren Blick über den Weg schweifen, der vor Ihnen liegt. Freuen Sie sich über Ideen, die Ihnen dazu kommen, wie Sie die anstehenden Anforderungen bestmöglich bewältigen können.

Halten Sie aktiv Ausschau nach wohlwollenden Unterstützern und Menschen, die Ihr Projekt voran bringen können. Meiden Sie Menschen, die sich in Ihrem Leben und Ihren Projekten besser auskennen als Sie selbst. Kümmern Sie sich um Ihre Beziehung zu den Wegbegleitern Ihrer Expedition, auf welcher Hierarchieebene sie sich auch befinden mögen. Denn hier liegt der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg und entspanntes Wandern. Aber wem sage ich das?

Und dann? Na, dann können Sie auch das grösste Vorhaben angehen und mit entschlossenen Schritten neues Land erforschen. Und wenn ich Sie im November dann treffe und Sie über beide Ohren strahlen, dann werde ich Ihnen zuallererst eine Frage stellen: woher haben Sie die Kraft und das Vertrauen genommen, loszulaufen?

Gift als Medizin nutzen

In meinen letzten Beoträgen haben ich mich mit der Frage befasst, wie Sie Schwierigkeiten und Probleme nutzen können, um sich weiterzuentwickeln. Während es im ersten Teil meiner kleinen Serie “Gift als Medizin nutzen” darum ging, aktuelle Probleme zu nutzen, ging es zuletzt darum, einen neuen Blick auf die Vergangenheit zu werfen.

spreu und weizenSie haben durch die Erlebnisse Ihrer Vergangenheit, auch die unangenehmen, viel gelernt. Ein ressourcenorientierter Blick auf die Vergangenheit kann helfen, diese besser anzunehmen und zu nutzen. Viele Fähigkeiten, Gewohnheiten und Stärken, die Sie entwickelt haben sind hilfreich und helfen Ihnen, mit aktuellen Herausforderungen effektiv umzugehen.

Wenn Sie in der Vergangenheit gelernt haben geduldig zu sein, angesichts von schwierigen Situationen, auf die Sie äusserlich wenig Einfluss hatten, dann haben Sie eine äusserst hilfreiche Eigenschaft entwickelt, die Ihnen in vielen Situationen helfen kann.

Dennoch kann diese gleiche Eigenschaft genauso gut zu Gift werden, wenn Sie heute, angesichts von schwierigen Herausforderungen, auf die Sie durchaus Einfluss ausüben könnten, geduldig abwarten.

Diesen Reflex gibt es in zwei Geschmacksrichtungen:

  1. Mehr desselben“: Paul Watzlawick spricht in seinem Buch “Anleitung zum Unglücklichsein” von dem Phänomen “mehr desselben”. Ein Glas Bier ist gut, dreissig Gläser Bier sind besser.
  2. Ein Heilmittel für alle Krankheiten“. Diese Variante läuft in etwas so ab: Was in der einen Situation funktioniert, kann als Standardrezept auf alle anderen, ähnlichen, “gleichen” Situationen mit der gleichen Wirkung angewendet werden. Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es noch eine Spielart dieses Reflexes: “was für mich funktioniert, funktioniert für alle.”

Wir wissen alle, aufgrund regelmässiger Bruchlandungen, um den illusionären Charakter und die mangelnde Zielführung dieser Annahmen.

Wie geht’s denn so?

Betreten der Baustelle verboten Beinahe wäre ich eben neben meiner Tochter im Bett eingschlafen, während sie noch quietschvergnügt vor sich hinsang. Aber ich habe die Kurve noch gekriegt. Schliesslich ist heute Donnerstag und mein Blog wartet auf neue Beiträge.

Welche Fähigkeiten und Stärken haben Sie in der letzten Woche weiterentwickelt? Welcher Baustelle haben Sie sich mit besonderer Inbrunst gewidmet? Welche Schritte haben Sie unternommen, um Ihre Ziele zu erreichen? Welche Schritte haben Sie unterlassen, um Ihre Ziele zu erreichen?

Wie ist es Ihnen gelungen, Momente der Zufriedenheit und des Glücks zu erleben, unabhängig vom Stand Ihrer aktuellen Projekte?

Ich befasse mich zur Zeit ja unter anderem damit, wie “Gift” als Medizin genutzt werden kann. Vermutlich haben Sie ein ganzes Sortiment an Kräutern, Tröpfchen, Teechen, vielleicht auch einige heftige Tabletten im Medizin-Schrank Ihrer Vergangenheit gefunden.

Doch selbst die besten, natürlichsten Heilkräuter können wieder zu Gift werden, wenn Sie für aktuelle Symptome kontraindiziert sind oder in zu hoher Dosis angewendet werden. Darum braucht es Weisheit im Umgang mit Medizin…

Glauben Sie, dass die Vergangenheit genau so war, wie Sie sie erinnern?

Nehmen Sie an, dass alle Beteilgten zu ähnlichen Schlüssen kommen und von den gleichen Dingen berichten, wenn Sie sich über die gemeinsame Vergangenheit austauschen?

Dali UhrVermutlich nicht und das ist auch unsere alltägliche Erfahrung. Menschen beschreiben ihre Vergangenheit ausgehend von den Vorlieben, Interessens- und Aufmerksamkeitsschwerpunkten, die sie in der Vergangenheit hatten. Aber auch sehr stark ausgehend von ihrem Befinden in der aktuellen Situation.

Wenn es uns hier und jetzt gut geht, dann hat alles in der Vergangenheit dazu geführt, diesen Zustand zu erreichen. Das gleiche gilt für den umgekehrten Fall.

Fragen Sie sich, wie diese Überlegungen für Ihren Alltag hilfreich sein können?

Vielleicht können sie Ihnen eine Ahnung davon vermitteln, dass Sie mehr Wahlmöglichkeiten haben, als Sie bisher dachten:

  • Wahlmöglichkeiten bezogen darauf, ob die Geschichten, die Sie sich selbst und anderen über Ihre Herkunft und Ihren Lebensweg erzählen wollen, Geschichten sind, die Sie schwach machen oder Geschichten, die sie stark machen.
  • Wahlmöglichkeiten, ob Sie Ihre Vergangenheit als einen sinnvollen Weg betrachten wollen, der Sie zu den Chancen, Risiken und Herausforderungen geführt hat, die Sie heute vorfinden. Oder ob Sie betrogen wurden und Ihre Vergangenheit Sie in eine Gegenwarts-Sackgasse, einen Ort der Unzufriedenheit und Verirrung, geführt hat.
  • Und damit Wahlmöglichkeiten bezogen darauf, ob Sie sich selbst als inneren Gestalter Ihrer Erfahrungen erleben wollen, egal, was Ihnen von aussen widerfährt oder als Opfer objektiver Umstände.
Martin Wedgwood

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