Monatsarchiv für Oktober 2008

 
 

Kreativität. Ein wildes Biest, das gezähmt werden will.

Pablo Picasso 1962Sind Sie ein hochkreativer Mensch? Dann dürfen Sie sich glücklich schätzen.Kreativität ist eine wunderbare Kraft. Sie ist Ursprung genialer Erfindungen, erstaunlicher künstlerischer Leistungen, beeindruckender Unternehmen, manchmal Motor, manchmal Gefährt für Fortschritt und Entwicklung auf allen Ebenen.

Ausgestattet mit großer Gestaltungskraft kann es für den kreativen Menschen allerdings zu einer außerordentlichen Herausforderung werden, diese Kraft auf produktive Weise zu nutzen. Die Kreativität interessiert sich kaum für die Frage, ob wir über geeignete Werkzeuge verfügen und angemessene Bedingungen geschaffen haben, mit deren Hilfe sich diese archaische Kraft auf gesunde und hilfreiche Weise nutzen lässt.

Kreativität kennt nur ein einziges Streben, sich auszudrücken. Dies tut sie vollkommen unabhängig von der Form, der Nachhaltigkeit und den Auswirkungen, welche ungebremstem, unkultiviertem Ausdruck folgen. Kreativität, welche ungebändigt wirkt führt gerne zu einem unproduktiven Lebensstil, zu Verwirrung, Chaos, Problemen und Krisen auf unterschiedlichen Ebenen.

Sie kann am Ursprung von Überforderung, Selbstausbeutung und Depression stehen, wo sie keine produktiven Ausdruckswege findet. Denn dort wo große unerschlossene oder unproduktiv erschlossene Potentiale liegen stellt sich gerne das Gefühl des Versagens ein, welches proportional zur gefühlten Kluft zwischen den geahnten und den realisierten Möglichkeiten steht.

Wenn Sie also ein außerordentlich kreativer Mensch sind, dann ist es für Ihre Gesundheit, Ihre Produktivität und Ihre Gelassenheit sehr wahrscheinlich von großer Bedeutung, dass Sie sich mit den folgenden Themen auf intensive und lösungsorientierte Weise auseinandersetzen:

  • Welchen Rahmen will ich für meinen kreativen Ausdruck schaffen?
  • Welche Struktur will ich für meinen kreativen Ausdruck schaffen?
  • Welche Richtung will ich meiner Kreativität geben?
  • Welchem konkreten Zweck, welchem abstrakten Ziel, welcher Vision möchte ich mit meiner Kreativität dienen?
  • Wie sieht ein gesunder Arbeitsrhythmus aus?
  • Wie kann ich ein gutes Maß zwischen kreativer Aktivität, Routineaufgaben, Erholung und Genußphasen finden?
  • An wen möchte ich mich mit meiner kreativen Kraft wenden?
  • Wem will ich dienen?
  • Für wen will ich wirken?
  • Wieviel Ausdruckskraft, Abstraktion, Komplexität und Assoziationsdichte sind für diese Adressaten zumutbar?
  • Welche Medien will ich nutzen?
  • In welchen konkreten Formen will ich meine kreative Kraft giessen?

Antworten auf diese Fragen, auch wenn sie nur vorübergehender Natur sein mögen stellen einen weiteren wichtigen Schritt dar, große, z.T. widerstrebende Kräfte zu integrieren. Sie leisten somit einen Beitrag dazu, hohe Produktivität, Kreativität und einen gelassenen Lebensstil in Einklang zu bringen.

Und was ist mit beruflichem Erfolg fragen Sie sich? Dazu möchte ich gerne meine Freundin und Kollegin Christa Kolodej, Koryphäe für das Thema Mobbing, aus Wien zitieren:

“Ich habe immer nur das getan, was mich interessiert und was mir Freude macht. Die unternehmerische Entwicklung folgte dabei ganz automatisch.”

Bildquelle: Pablo Picasso, Wikipedia

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“Schwarz” ist die neue Mode. Welche Farbe geben Sie Ihrer Wirklichkeit heute?

Die Wirkmechanismen der Weltwirtschaft sind eine komplexe Angelegenheit. Folgte ich den täglichen Schreckensnachrichten mit der gleichen Intensität, welche die Berichterstattung ausmacht, dann verstünde ich mittlerweile vielleicht mehr davon. Wahrscheinlicher aber würde ich in der gleichen Ohnmacht versinken, welche in den ängstlich aufgescheuchten Stimmen der Moderatoren und Welteinschätzer fleissig mitschwingt.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Experten auf dem weiten Feld des Wirtschaftens, ob irgendjemand der Komplexität des Geschehens wirklich gewachsen ist. Und es ist lustig zu beobachten, wie die Kommentatoren, Journalisten und Fachleute immer irgendwo zwischen imaginierter Einflußmöglichkeit und totaler Ohnmacht navigieren. Es will mir scheinen als wüßte niemand so richtig, was ihm geschieht und was er selbst verursacht.

Mit den Unkenrufen einer heraufziehenden Rezession, welche einen deutlichen Fokus für die Kanalisierung jeglicher Energie und kreativer Impulse in Richtung totale Ergebenheit gegenüber dem vorläufigen Untergang schafft, schrauben sich die Gestalter und Lenker der Meinungen und Einschätzungen immer tiefer in einen beeindruckenden Abwärtstaumel.

Womit haben wir es hier zu tun? Von außen betrachtet wie immer mit einer Wirklichkeitsgestaltung durch kollektiv geteilte und bevorzugte Geschichten und Mythen. Es wird so getan als wäre die Wirklichkeit Gegenstand der Beobachtung und der Bedrohung, während es doch nur die ängstlichen Phantasien kreativ hochbegabter Schwarzmaler sind, welche ihre Wirkung wie zu allen Zeiten kaum verfehlen.

Waren sie eben noch Leuchttürme im komplexen Geschehen, welche erhaben über die Ebenen des Mittelmaßes hinausragten, fallen sie nun vor die Klippen ihrer eigenen Untergangsphantasien und werden so zu einem dunklen Fels in nächtlicher Brandung, an welchem die Boote der Massen Schiffbruch erleiden.

Während meiner Hypnotherapie-Ausbildung in Italien im Sommer war die Rede von einem durch Studien belegten Phänomen: Krankheitsverläufe sind extrem stark daran gekoppelt, wie wir erste auftretende Symptome interpretieren. Wenn der Hals weh tut und wir nehmen das als erstes Anzeichen einer Grippeerkrankung, dann werden wir sehr wahrscheinlich eine Grippe bekommen. Während die Symptome häufig schnell wieder abklingen, wenn wir sie als kurze Episode verstehen.

Die Symptome winken gerne mal um die Ecke und laden uns ein, ein Päuschen zu machen. An uns, uns zu entscheiden, ob wir uns ein bisschen Entspannung mit oder ohne unangenehme körperliche Beschwerden gönnen wollen.

Und vielleicht ist die mit Hypothesen, Interpretationen und Emotionen hoch aufgeladene Berichterstattung tatsächlich die Vorbotin und Begleiterin eines Alptraums. Wir können die Zustände mithilfe unserer kommunikativen Möglichkeiten immer weiter zuspitzen, um unter dem Druck des vermeintlich Unausweichlichen, um unter bedrohlich erscheinenden Bedingungen manches neu ordnen. Vielleicht können wir die Einladung aber anders annehmen, ein Schrittchen zurücktreten und uns entscheiden, auf entspannte und intelligente Weise in Ruhe zu reflektieren, um von dort aus neue Wege zu wagen.

Die meisten Menschen und Unternehmen warten allerdings gerne den Moment des bevorstehenden Untergangs ab, wählen also die erste Option, bevor sie beginnen, sich ernsthaft und effektiv mit ihrer Lage auseinanderzusetzen. Fragen Sie sich wieso? Nun, das mag Sie verwirren, aber ich denke das geschieht nur aus purem Glücksstreben. Stephan Lermer bringt dieses Streben nach Glück in seiner Umkehrung genial auf den Punkt:

“Nicht Unglück, sondern Langeweile ist das Gegenteil von Glück.”

Wir erschaffen die Realität in der wir leben. Die Krisen und Probleme sind nur der Ausdruck unserer unablässigen Sehnsucht nach Lebendigkeit, Lernen und Intensität, kurz Flucht vor der Langeweile und Streben nach Glück. Und während wir durch’s Leben straucheln von Problem zu Problem, während wir auf der Konjunkturentwicklung Achterbahn fahren, das Kribbeln im Bauch geniessend, gleich dem Roulette-Spieler, der sich nur noch am Kitzel erfreut, mitten in und vollkommen außerhalb von Gewinn und Niederlage, dürfen wir uns fragen, wann wir damit anfangen wollen, die Verantwortung für die Qualität unserer Erfahrungen zu übernehmen.

Vielleicht gibt es ein Leben außerhalb der Krise, ein Leben, welches Intensität und Gelassenheit vereint. Wenn wir nehmen, was wir in uns und zwischen uns tragen, um es auf produktive Weise in die Welt zu bringen, wenn wir uns auf Lösungen hin orientieren, welche genug Herausforderungen bieten, sodass wir auf unsere Kosten kommen, dann können wir uns die eine oder andere Episode dramatischer Entwicklung im persönlichen, im nationalen wie im globalen Kontext ersparen.

Dann sind wir eingeladen Abschied zu nehmen von einem Selbstverständnis, welches sich an mittelmässigen Zielen ausrichtet, weil es das Anderssein scheut. Dann sind wir gefordert in selbstbewusster Anerkennung unserer Eigenheiten respektvoll zu sein gegenüber der Größe, der Potenziale, der Kraft und der Eigenheiten der Menschen um uns herum. Dann sind wir gefordert, uns auf großen Erfolg, auf unsere vollständige Individualität und intensive Kraft einzulassen, welche uns zwar in der Bewegung glücklich machen und doch gleichzeitig immer ein Stück in die Einsamkeit unserer eigenen Bestimmung führen.

Wir können natürlich noch ein bisschen auf den Wogen der wirtschaftlichen Krisen und globalen Probleme reiten und so tun, als würde es in diesen konkreten Ausprägungen des Lebens um etwas Wesentliches gehen. Wir können so tun als hinge unser Glück von der Lösung dieser Probleme und Krisen ab. Wir können weiter glauben, dass wir Glück in der totalen Absicherung der Existenz finden, wo wir alles fassen, halten und berechnen können. Und vielleicht werden wir irgendwann müde vom Ankommenwollen und beginnen, uns an der Reise, an der fortwährenden Problemlösung, an der Auflösung unauflöslicher Fragestellungen im Tun zu erfreuen.
Solange wir glauben, die Probleme existierten dort draußen und uns danach sehnen, sie endlich loszuwerden, dürfen wir noch inniger in Kontakt gehen mit unseren existenziellen Fragen. Vielleicht entdecken wir dann, dass wir immer nur nachdrücklich eingeladen werden, unsere produktiven und gestalterischen Kräfte mehr und mehr zu entwickeln und ins Spiel zu bringen.

Erfolg und Glück sind nur die Früchte unserer Entschlossenheit, dieses Leben, uns und die anderen auf spielerische Weise ernst zu nehmen. Mit welchen Lernschritten, guten Gedanken und Lösungen antworten Sie heute auf die brennenden Fragen?

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