In der zen-buddhistischen Praxis und im gesamten Mahayana Buddhismus rezitiert man jeden Morgen die vier Gelübde des Bodhisattvas.
- Die Zahl der Wesen ist unendlich, ich gelobe sie alle zu erlösen.
- Gier Hass und Unwissenheit entstehen unaufhörlich, ich gelobe sie zu überwinden.
- Die Tore des Dharmas sind zahllos, ich gelobe sie alle zu durchschreiten.
- Der Weg des Buddha ist unvergleichlich, ich gelobe ihn zu verwirklichen.
Man könnte sagen, es sei lächerlich, vermessen, solche Wünsche auszusprechen und sich solchen Idealen hinzugeben. Und natürlich ist es unmöglich, auch nur eines dieser Ziele annähernd zu verwirklichen. Ist es deswegen dumm und vermessen, es zu versuchen?
Die Welt, auch die natürliche Umwelt, dadurch zu retten, dass wir unsere Potentiale entwickeln, scheint albern, kindisch und wie eine der grossen Ambitionen, die wir mit den letzten dummen Träumen unserer Jugend beerdigt haben. Unsere Kraft, entschlossen zu handeln, unsere Produktivität müssen Zwecken dienen, Nutzen generieren, nicht unserer Lebendigkeit, unserer Freiheit, unserer ursprünglichen Freude und Neugierde Ausdruck verleihen. Oder?
Wer aber sagt uns, dass es nicht genau diese Träume, Hoffnungen und Ambitionen sind, die das Wertvollste in uns hervorbringen? Das Wertvollste, das die Welt vor falscher Moral, engstirnigen Wahrheiten, Schlaumeiereien, Antworten und Angekommensein beschützt und die Tür weit aufstösst zu Lebendigkeit, Ambiguität, Risiko und heiter verantwortlicher Freiheit? Wer sagt, dass es so intelligent war, sich auf die Seite der Zwecke und des Nutzens zu werfen und die “lächerlichen” Spiele und Vergnügungen aufzugeben?
Heute ist weltweiter Blog Action Day. Tausende von Bloggern weltweit widmen sich genau einem Thema: der Umwelt. Eine grosse Einladung, die verführen könnte, eifrig gegen Klimawandel, unverantwortliches Gebahren der Bewohner der nördlichen Hemisphäre und deren rücksichtslose Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu wettern. Aber können wir damit unsere Umwelt retten? Können wir mit solchen Grenzziehungen und Grabenkämpfen die Umwelt vor uns selbst beschützen? Ich denke kaum.
Wissen Sie, wann ich angefangen habe, mich für die Belange von Kindern zu interessieren? Als ich direkt mit ihnen konfrontiert war, als ich anfing, mein Leben mit ihnen zu teilen. Genauso ist es mit der Natur. Tun sie, was sie als Kind immer getan haben. Gehen Sie raus, freuen Sie sich über die Natur, die Pflanzen, die raschelnden Blätter, den Wind und den Regen im Gesicht. Schauen Sie in den Himmel, legen Sie sich ins Gras, sammeln Sie Walnüsse und vergessen Sie alle ernsten Versuche, Gutes zu tun.
Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand, freuen Sie sich an jedem Augenblick, geben Sie sich nicht mit den Erkenntnissen und angestrengten Bemühungen von heute zufrieden. Hören Sie auf zu kämpfen und entspannen Sie sich. Greifen Sie nach den Sternen und freuen Sie sich, dass Sie sie noch nicht erreichen können.
Es gibt keine Umwelt, die wir retten könnten, keine Natur, die wir retten könnten, niemanden, der irgendetwas retten könnte und nichts, das gerettet werden müsste. Wenn wir das nicht verstehen, dann bleibt unser Leben ein einziger Kampf und Krampf, der all das hervorbringt, was wir hinter uns lassen wollen. Auf der Basis dieses Verständnisses aber , können wir ganz gelassen, heiter und friedlich alles geben, was wir haben.
Entwickeln Sie Ihr Potential voll und ganz und vergessen Sie dabei nicht: am Ende gibt es nichts zu erreichen. Geniessen Sie den goldenen Herbst während Sie nach den Sternen greifen. Das ist die einzige Möglichkeit, sie zu erreichen.