Monatsarchiv für März 2007

 
 

CRM – the web 2.0 way!

Highrise - CRM the usability wayDas wurde aber auch höchste Zeit. Was habe ich schon mit SugarCRM, vTiger, Cobra und dem ganzen webbasierten CRM Gedöhns rumgemacht? Nur um festzustellen, wie überladen diese Tools in ihrer Funktionalität sind. Für so einen kleinen Berater aus dem Südwesten Deutschlands, der in seinem Projektfieber einen annähernden Überblick über seine geschäftlich relevanten Kontakte und Adressen halten möchte völlig überdimensioniert.

Von der Usability ganz zu Schweigen. Das SugarCRM, welches die Inder als vTiger auf den Markt schmissen, mit dem Curry diverser anderer Opensource-Spielereien aufgemöbelt und mit AJAX-Gedöhns Web 2.0-mässig aufgepeppt, gab sich den Anschein, der Traum des Usability-Sehnsüchtigen Internetbenutzers zu sein, entpuppte sich beim Aufwachen dann tatsächlich als Traum.

Doch genug gemeckert: die Heiligen von 37 Signals haben meine Gebete erhört und wahr gemacht wovon zu Träumen ich kaum wagte. Ein webbasiertes, auf Einfachheit konzentriertes Usability-Wunder unter den CRM-Systemen ist auf die Welt gekommen: Highrise. Die 37 Signal Menschen haben einmal mehr das getan, was Sie am besten können: eine benutzerfreundliche Webapplikation zusammengestellt, die die grundlegenden Bedürfnisse bedient und sich gerade darum als ausserordentlcih nützlich erweist.

Genug des Lobes. Wie kriegt man das verdammte Company-Fenster wieder zu? Und überhaupt: wieso macht das Tool nicht was ich will? Nun ja: auch hier gibt es ein bisschen was zu lernen und zu erkunden. Die nächsten Tage sollen Tage der Bewährung werden in denen ich das Tool etwas intensiver unter die Lupe nehme.

Weiteres in englisch gewürzter Kürze.

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Zeug aus dem Netz

Ein guter Freund meinte ich sollte doch mal die coolen Webseiten, die ich so kenne, anderen zur Verfügung stellen. Es wäre wirklich schade, wenn ich das alles für mich behielte. Nun gut. Ich dachte bisher, dass jedermann diese Seiten kennt, aber dem scheint nicht so zu sein.

Bodo Wartke ist ein unglaublicher Klavier-Kabarettist, über den ich vor kurzem im Fernsehen gestolpert bin. Wiedergefunden habe ich ihn dieser Tage im Internet (und im Programm des Jubez in Karlsruhe) und mich über die Grosszügigkeit gefreut, mit welcher er musikalisch intelligenten Humor aus einem Konzert in Köln kostenlos zum Onlinelauschen zur Verfügung stellt. Meine Highlights (Quicktime) gibt’s hier:

  • Ich trau’ mich nicht
  • Loveparade
  • Ja, Schatz!

Ein schönes Tool mit dem Sie Ihre grossen und kleinen Ziele festhalten und gleichzeitig für sich dokumentieren können, wann Sie etwas Konkretes für die Umsetzung dieser Ziele tun ist Joes Goals.

Weitere Produktivitätstools, die ich Ihnen hier kurz vorstellen möchte:

Tracks ist ein geniales webbasiertes Tool, um GTD (Getting things done, nach David Allen) im Alltag umzusetzen. Hier können Sie Projekte und Aufgaben nach bestimmten Kontexten (Computer, Büro, Zuhause, Bibliothek etc.) pflegen und verwalten. Wenn Sie sich das Martyrium einer lokalen Installation ersparen wollen, dann schauen Sie mal hier vorbei. Hier können Sie einen kostenlosen Account anlegen und so von jedem Rechner dieser Welt, der über einen Internetzugang verfügt auf Ihre Aufgaben und Projekte zugreifen.

Haben Sie sich schon mal mit Thema Speedreading beschäftigt? Wenn Sie ähnlich ticken wie ich und sich für ca. 200 Themen parallel interessieren, Türme von Büchern zu Hause stapeln, ein grosses Sammelsurium an Blogs in Ihrem Feedreader abonniert haben und Ihr Tag doch nur 24 Stunden an, von denen Sie wenigstens ein paar wenige mit Schlafen und Essen verbringen, dann hatten Sie vermutlich schon mehrfach ein entsprechendes Buch in der Hand. es gibt jetzt zwei Online-Services, die Ihnen erlauben, Content aus Webseiten schneller zu lesen:

Das Ganze ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Man fühlt sich auf Augen und Vorderhirn reduziert, während man vor dem Bildschirm hockt und die Worte vorbeirauschen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich über den einmaligen Testversuch hinauskommen werde…

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Cyrano at his best

Doch im Lichte der Freiheit schwärmen, durch die Wälder laufen,
Mit fester Stimme, klarem Falkenblick,
Den Schlapphut übermütig im Genick,
Und je nach Laune reimen oder raufen!
Nur singen, wenn Gesang im Herzen wohnt,
Nicht achtend Geld und Ruhm, mit flottem Schwunge
Arbeiten an der Reise nach dem Mond….

Dann darfst Du König sein in deinem Reiche,
Statt zu schmarotzen, und dein Schicksal sei,
Wenn Du der Buche nachstehst und der Eiche,
Nicht hoch zu wachsen, aber schlank und frei.

aus: Cyrano de Bergerac (Edmond Rostand)

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Commercial Break Strategie (nach Barbara Sher)

In ihrem Buch “What do I do when I want to do Everything?” beschreibt Barbara Sher einen schönen Weg, wie Sie vielen Interessen, Leidenschaften, Projekten und Visionen nachgehen können, auch wenn Sie wenig freie Zeit zur Verfügung haben.

Dies ist eine wunderbare Technik, wenn Sie sich in einer beruflichen oder privaten Situation befinden, die Sie nicht erfüllt, weil Sie nur wenige Ihrer wesentlichen Talente dabei einsetzen können. Sie eignet sich auch dann, wenn Sie unter hoher Belastung stehen und nach Wegen suchen, Entlastung zu finden oder eine Veränderung Ihrer Situation anstreben.

Werfen Sie den Glaubenssatz, “Wenn ich etwas tue, dann mache ich es richtig” über Bord bzw. definieren Sie neu, was “richtig” für Sie bedeutet. Nutzen Sie jede freie Minute (im wörtlichen Sinne), eine kurze Werbepause im Fernsehen, einen kurzen Moment, wenn Ihre Kinder gerade beschäftigt sind, einen Moment des Wartens und tauchen Sie für kurze Zeit mit voller Energie und Intensität in die entsprechende Aktivität ein:

  • Skizzieren Sie mit ein paar Strichen einen Entwurf.
  • Halten Sie ein paar wesentliche Gedanken für ein Konzept fest.
  • Überarbeiten Sie Ihren Projektplan.
  • Gehen Sie Ihre ToDo-Liste durch.
  • Schreiben Sie ein paar Zeilen Ihres Plotts (eine Figur, ein Charakter, eine Szene).
  • Harken Sie sich durch einen Teil des Gemüsebeets.
  • Lesen Sie ein paar Zeilen in einem interessanten Buch.
  • Studieren Sie einen Band über das Land Ihrer Träume.
  • Fliegen Sie über Rezepte und holen Sie sich Inspiration.
  • Setzen Sie sich ans Klavier oder hören Sie ein paar Takte Ihrer Lieblingsmusik.
  • Machen Sie ein paar Fitness-Übungen.
  • Räumen Sie schnell Ihren Schreibtisch oder einen anderen Hotspot auf.

Drei Vorteile:

  1. Sie kommen voran, in den Dingen, an denen Ihnen wirklich etwas liegt. Und machen alle Menschen glücklicher, weil Sie selbst glücklicher sind.
  2. Sie haben Abwechslung auch in den eintönigsten Situationen.
  3. Sie wiederlegen die Schlauberger, die meinen zu wissen, wie man Dinge richtig macht.

Viel Spass beim Ausprobieren.

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Das Brangelina Jitt Modell

Es gibt Menschen, die behaupten, es gäbe keinen Zufall und solche, die behaupten es gäbe kein Schicksal. Ich gebe beiden Recht. Neulich war ich in Köln auf der Didacta, einer Messe, welche sich um Bildung und Lernen auf allen Ebenen dreht, als plötzlich meine Handy klingelte. Am Telefon ein Freund, der mich fragt, ob ich eigentlich EKS® kenne?

Na ja, die kannte ich. Herr Mewes hatte die vor einigen Jahrzehnten entwickelt und daraus ein nettes Konzept gebastelt, welches er an willige Unternehmer weiterverkauft. EKS steht für Engpasskonzentrierte Strategie und beschreibt einen Weg, wie geschäftstüchtige Menschen, ihr Unternehmen nachhaltig zum Erfolg führen können.

Nach einigen kommunikativen Nebenpfaden über Hypnose und Autohypnose beendeten wir unser Gespräch. Ich humpelte weiter über die Messe, ich hatte mir tags zuvor meine linke, kleine Zehe böse am selbstgebauten Sofa verstaucht, um wenige Minuten später über den Stand des “Strategie Forums e.V.” zu stolpern. Dieser Verein schafft einen guten, deutschen Rahmen für all die scharf ausgerichteten Unternehmer und Selbständigen, welche sich auf die Verdienste des obengenannten Strategiekonzepts berufen. Zufall? Schicksal?

Ehrlich gesagt war mir das ziemlich egal. Ich freute mich einfach mit einem Spezialisten über das Thema “Strategie” zu fabulieren und wollte wissen, inwieweit er wohl in der Lage sei, mit einem strategischen Wildwuchs wie mir klarzukommen. Ich kann sagen: er schlug sich wacker.

Die Fragen, mit denen ich ihn peinigte, waren die folgenden: “Soll ich mich auf ein bestimmtes Thema ausrichten, um mich damit als Spezialist zu positionieren oder soll ich weiterhin der Hans-Dampf-in-allen-Gassen bleiben, der ich war?” “Soll ich den Quasitod der vermeintlichen Langeweile sterben, indem ich mich entscheide, von all den schönen, interessanten Dingen zu lassen, um mich ganz einer Sache zu widmen? Oder soll ich meine Energie weiterhin in tausend unterschiedliche Richtungen laufen lassen und mich dabei vollkommen aufreiben?”

Kennen Sie solche Situationen? Zu viele Wahlmöglichkeiten? Zu viele Verführungen? Zu viele Pfade, die eventuell ins Glück führen, aber nicht den Mut, einen bis zum Ende zu gehen? Nein? Dann wird Sie der weitere Text vermutlich langweilen. Vielleicht schicken Sie ihn lieber an einen Menschen weiter, der ihn besser gebrauchen kann und nutzen Ihre Zeit anders.

Die Standardanregung eines weniger komplexen Menschen lautet grundsätzlich: “Mach’s doch nicht so kompliziert.” Und ein solcher glaubt tatsächlich, es gäbe triviale Lösungen für ein nicht-triviales Problem. “Weit gefehlt!” kann ich da nur ausrufen und um Ihnen den langen, steinigen Pfad der Erkenntnis ein wenig zu erleichtern, möchte ich gerne meine Gedanken zu diesem Thema mit Ihnen teilen und einen Lösungsansatz vorschlagen, den ich erprobterweise für gangbar halte.

Ein bisschen Theorie, wie Dilemmata auf hohem Niveau zu lösen sind. Ein Dilemma zieht seine ganze Kraft aus einer banalen Grundannahme: “Es gibt ein Problem und für dieses gibt es nur zwei Lösungsalternativen, welche beide gleichsam unerträglich sind.” Dilemmata gibt es in zwei Geschmacksrichtungen:

  1. Das Für-welchen-Partner-soll-ich-mich-entscheiden-Dilemma einer Dreiecksbeziehung: hier geht es um die Wahl zwischen zwei gleich positiven Alternativen. Man verliert immer das andere, ebenso Kostbare.
  2. Das Von-einem-Tiger-gejagt-werden-und-vor-einem-tödlichen-Abhang-stehen- Dilemma: hier geht es um die Wahl zwischen zwei gleich negativen Alternativen. Man kriegt in jedem Fall das, was man nicht will.

Nun zur Lösung: man knackt das Dilemma freundlich mit drei Alternativen zum Entweder-Oder (in Anlehnung an Varga von Kibèd und die buddhistische Logik):

  1. Sowohl als auch: Bigamie bzw. ein bisschen vom Tiger anknabbern lassen und dann in den Abgrund springen.
  2. Keins von Beidem: Ins Kloster gehen bzw. mit dem Tiger kämpfen und ihn in den Abgrund stossen.
  3. All dies nicht und auch das nicht: Gemütlich weiterleben und die anderen die Kinder machen lassen bzw. den Tiger in eine Ameise verwandeln und dann aus dem Alptraum Erwachen.

Die pragmatische Schlussfolgerung: wenn Sie zu den wilden unter den Unternehmern und Führungskräften gehören, dann verwirklichen Sie das Brangelina-Jitt-Modell.

Spezialisieren Sie sich im Beruf, verzetteln Sie sich im Privatleben oder in einer kreativen Aktivität, wie Malen, Schreiben, Musizieren, Theaterspielen und schicken Sie die Vertreter des protestanitischen Kapitalismus der Fuggers, Franklins, Webers und Rockefellers, die das Heil allein in der Arbeit versprechen in die Wüste ihrer eigenen heeren Ideale.

Spezialisieren Sie sich im Beruf auf Teufel komm raus. Und zwar radikal an zwei Dingen orientiert:

  1. Was fällt mir leicht?
  2. Womit verdiene ich gutes Geld?

Mit einer kleinen Ergänzung entsprechend Ihren ethischen Bedürfnissen (Sie haben doch welche, oder?):
Was kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren?

Räumen Sie radikal auf mit der calvinistischen Grundhaltung: Du musst Deinen ganzen Sinn, Deine Berufung, Deine Talente, Deine tiefsten Überzeugungen den ganzen Tag leben und damit Dein Geld verdienen. Damit tun Sie nicht nur sich, Ihrer Familie und Ihren Freunden einen Gefallen, Sie ermöglichen all den Menschen die jetzt und in Zukunft ihren Lebenssinn nicht mehr über Arbeit definieren können (weil sie keine finden), sich in guter Gemeinschaft zu fühlen. Darüberhinaus geben Sie sich die Chance, die Welt mit all den anderen Talenten, die sie Ihr eigen nennen zu beglücken.

Man mag über Angelina Jolie und Brad Pitt denken was man will. Aber die Beiden machen das wirklich nett: ein bisschen Schauspielern an der amerikanischen Westküste, ein bisschen in Kameras Lächeln, ein bisschen Teilhabenlassen am Privatleben und auf der anderen Seite viel Zeit, Energie, Ressourcen einsetzen für edle Ziele.

Die alten Griechen wären niemals auf die Idee gekommen, das Wichtigste im Leben sei Arbeit und das völlige Aufgehen im Beruf. Das Leben bestand für Sie darin, seine Fähigkeiten zu entfalten, zu lernen, die Natur des Menschen, des Universums zu ergründen und das alles in einer möglichst angenehmen Atmosphäre. Natürlich: es gab auch Sklaven und andere unerfreuliche Einrichtungen, aber der Mensch entwickelt sich glücklicherweise weiter: heute haben wir Roboter und Vollautomatisierung.

Die Kunst, die Musik, das Theater, die Philosophie, die Literatur, die Wissenschaften, die Religionen wären undenkbar ohne Menschen, die dem reinen Nutzendenken entsagt hätten. Geben Sie Ihrem schwäbischen Herzen einen Ruck. Nehmen Sie sich und Ihre Arbeit nicht so ernst. Denken Sie nicht nur an das, was Sie erreichen wollen, sonden auch daran, welches Leben Sie hier und heute führen wollen. Mit Ihrer Familie, Ihren Freunden, Ihren Mitarbeitern. Denken Sie ein bisschen darüber nach, wie Sie Ihre Energie sinnvoll, im leichten Sinne, einsetzen können, sodass die ganze Welt davon profitieren kann.

Ein Bekannter hat heute zu mir gesagt: “Ich habe keine Möglichkeit, die Menschheitsgeschichte zu beeinflussen.”

Wenn nicht Sie, wer dann?

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