Es ist trivial, sich Ziele zu setzen. Jeder kann das. “Ich möchte dieses und jenes erreichen”. Aber es ist nicht immer einfach, an den eigenen Zielen dranzubleiben. Die aktuellen, dringenden, routinemässigen Dinge des Alltags halten uns häufig fest in ihrer kräftigen Hand.
Es gibt Möglichkeiten, Ziele nachhaltig zu formulieren. Darüber habe ich an andere Stelle geschrieben. Heute möchte ich Ihnen nur kurz ein Internet-Tool vorstellen, welches Ihnen erlaubt, Ihren Einsatz für wesentlich Wichtiges in Ihrem Leben zu tracken.
Ein Werkzeug, welches Sie nutzen können, um sich Rechenschaft darüber abzulegen, ob Sie Ihre wichtigen Ziele verfolgen oder nicht. Nach dem Sie sich mit drei, vier Angaben ein Benutzerkonto angelegt haben, können Sie auch schon loslegen. Einfach neue Ziele definieren. Die Software erstellt daraus automatisch eine Matrix: auf der Horizontalen Tage und Wochen, auf der Vertikalen Ihre Ziele.
Wenn Sie etwas Konkretes (oder weniger Konkretes ) für ein Ziel getan haben, dann genügt es, in das entsprechende Feld des Tages in der Matrix zu klicken. Mehrfaches Klicken spiegelt die Intensität Ihres Einsatzes wieder und findet Niederschlag in weiteren grünen Häckchen im entsprechenden Feld.
Unterschiedliche Auswertungen stehen Ihnen zur Verfügung. Darüberhinaus können Sie, wenn Sie so öffentlichkeitsfreudig sind (oder eine hohe Verbindlichkeit für sich schaffen wollen), eine kleine Grafik in Ihren Blog oder Ihre Webseite einbinden, welche Ihr gelebtes Commitment für Ihre Ziele widerspiegelt.
Beim Skateboardfahren nennt man den Moment, wo der Skater oben von der Kante der Halfpipe in die Wanne kippt als drop-in. Ein kurzer, schwebender Moment, der eine gewisse Entschlossenheit braucht, damit das ganze nicht in der körperlichen Katastrophe endet.
Einige meiner Beratungskunden haben mir in letzter Zeit von unterschiedlichen Situationen berichtet, in denen sie ausserordentlich litten: vor allem in Meetings (wer nicht?) und in Situationen kollektiver Geselligkeit. Ich persönlich schaue auf ein ganzes Martyrium der Adoleszenz und des Erwachsenseins zurück, während welchem ich mich bis aufs Letzte durch solche Horrorsituationen kämpfte. Die meiste Zeit gelang es mir glücklicherweise, die Orte des Schreckens zu meiden oder mich wenigstens in eine Lage zu versetzen, welche mir erlaubte, das Geschehen zu dominieren und somit spannend zu gestalten. Für mich jedenfalls. Was auch nicht immer glücklich machte im Miteinander.
Es ist beachtlich, mit welcher Entschlossenheit, man die eigene Person, das eigene Wesen, die eigene Psyche zur Verantwortung für die Misslichkeit der jeweiligen Lage zu ziehen geneigt ist. Denn dass es Langeweile und Unterforderung war, welche Komplikationen und Dissonanz mit der jeweiligen Situation und Gruppe schaffte, (welch unerhörte Anmassung, hüstl!) ist eine Erkenntnis, welche mir erst lange danach zu Teil wurde. Und welche in Ihrer Bedeutung erst dort volle, d.h. entspannte Kraft entfalten konnte, wo ich nicht mehr der Relation “Unterforderung = menschliche Überlegenheit und Höherwertigkeit” anlegte, welche sonst so schwer auf das Thema Begabung (wie hoch auch immer) von unterschiedlicher Seite gelegt wird.
Die entschlossene Unwissenheit, welche die jahrelange Duldung unerträglicher Situationen ermöglichte (hier als Kompetenz verstanden), rührt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der unfreiwilligen Übung, welche man in endlosen Jahren quälender Gefangenschaft in geschlossenen Räumen hinlegte. Das von aussen auferlegte Ziel, zu lernen, blieb unerreichbar. Nicht weil Lernen an sich unmöglich gewesen wäre, sondern weil das, was als Lernmöglichkeiten angeboten wurde umfassende Stolpersteine und unerträgliche Umwege gegenüber den eigenen waren.
Das Gefühl selbst an der Ursache des Problems zu stehen, statt den Misfit zwischen Kontext und Person zu begreifen (weil der Kontext über lange Zeiträume nicht in Frage zu stellen war) sitzt so tief, dass auch im Erwachsenenalter als Gefängnis konstruiert wird, was mit einer gesunden Portion Dreistigkeit und Mut zur Unhöflichkeit schon lange keins mehr wäre.
Auch wenn es wenige Formen, wie bspw. die OpenSpace Technologie, des gruppenspezifischen Zusammenarbeitens gibt, wo ein Kommen und Gehen abhängig von der eigenen Möglichkeit etwas zu lernen oder beitragen zu können (dürfen) “erlaubt” ist, gibt es doch Möglichkeiten, obengenannte (lebensrettende) Dreistigkeit vorausgesetzt, sich das Schlimmste zu ersparen.
Es gibt immer gute Gründe, zu einer Sitzung spät hinzuzustossen und sich früh wieder daraus zu verabschieden. Zumal, wenn Sie zu den Topleistungserbringern im Unternehmen zählen. Diverse kritische Projekte brauchen Menschen, welche situativen Anforderungen genügen können, auch um den Preis einige Sitzungen nur in jenen Passagen besuchen zu können, welche die eigenen Implikationen ins Unternehmen betreffen.
Auch familiäre Gründe können angeführt werden. Allerdings sind nicht alle Kulturen hier ebenso offen, wie den obenbeschriebenen Eskapaden der Leistunsgerbringer gegenüber. Ich nenne diesen Stil “drop-in, drop-out”. Sich hineinfallenlassen und wieder hinausfallenlassen.
Es gibt einige, welche dieses drop-in, drop-out, mental vollziehen: komplizierte Gleichungen im Kopf lösen, sich NLP-mässig oder autosuggestiv in andere Sphären beamen, spirituelle Übungen, wie achtsames Atmen oder Eutonie vollziehen, ToDo-Listen, Projekte oder sonstiges auf der Nebenspur weiterplanen. Über die französische Businesskultur kann man denken was man will (ganz zu schweigen vom Fahrstil der geliebten Nachbarn), aber die verbreitete Einschätzung, Multitasking sei ein Zeichen hoher Kompetenz, kommt dem schnell Gelangweilten ausserordentlich entgegen. Denn hier können Sie nach aussen verlegen, in Papier- und Stiftform wenigstens, was Sie in Deutschland nur hinter Ihrer Stirnplatte abfrühstücken dürfen.
Vermutlich sind dies ebenfalls brauchbare Optionen, wenn andere Wege verstellt bleiben. Unter der Prämisse, dass Sie von solchem Vorgehen in irgendeiner Weise profitieren (Arbeit erledigen, lernen, Spass haben, entspannen) und das Gefühl der vertanen Zeit in starker Weise gemildert wird.
Sollte keine dieser Optionen zur Verfügung stehen oder in geeigneter Form Entlastung bringen wären möglicherweise ernsthafte Überlegungen angesagt, Ihre Umwelt-Passung nicht auf Ihrer, sondern der Umweltseite zu verbessern. Im Journalistenberuf, so habe ich mir sagen lassen, gehört drop-in, drop-out zum Tagesgeschäft, bei Vertrieblern auch, als Selbständiger oder Unternehmer haben Sie auch die Möglichkeit, abhängig von Branche und Grösse des Unternehmens, regelmässig von einem Kontext in den nächsten zu fallen.
Vielleicht brauchen Sie aber generell höhere Anforderungen auf unterschiedlichen Niveaus, damit Sie nicht untergehen in Ihrer intellektuellen Bedürftigkeit. Überhaupt scheint es mir einer der wesentlichen Schlüssel zu einem erfüllten Leben für Kreative und Hochbegabte, sich Rechenschaft, vor allem im alltäglichen Handeln, über die präferierten Kontexte abzulegen. Und brauchbare Entscheidungen zu treffen. Auch über geeignete Frequenzen des Kontextwechsels. Aber davon ein anderes mal.
Eben noch fleissig in den Foren werkelnd – Sie kennen doch XING (openBC) – jetzt nur noch Fehlerseiten. Zeitüberschreitung bei der Serveranfrage. Hat man mich ausgesperrt, weil ich so aktiv in den Gruppen war? Hat man mir eine Nabelschnur in die Netzwerkwelt abgeschnitten, gerade jetzt, wo ich das Tool anfange ernst zu nehmen.
Die peinliche Stimme des ängstlichen Verschwörungstheoretikers. So richtig lustig ist es allerdings nicht, dass sich das beliebte Online-Netzwerk über eine Stunde nicht erreichen lässt. Vielleicht ein böser Hack von den LinkedIn-Betreibern? Welch böse Unterstellung. In der Hoffnung, die Plattform möge bald wieder online sein und im unwahrscheinlichen Fall, dass Sie die Plattform noch nicht kennen: schauen Sie sich mal um und mischen Sie mit. Da gibt es wirklich virtuelle Kontakte zu entwickeln. Erstmal.
Ganz abgesehen davon finden Sie eine Vielzahl von Gruppen, beruflich engagierter Menschen, in denen es was zu lernen und zu teilen gibt.
Wie vor Ort der Verzettelung entgehen? Keine Rezepte für heute.
Was habe ich da schlaues in Wikipedia zum Thema Jonglieren gelesen:
“Jonglieren ist sehr gut geeignet, das körperliche und geistige Wohlbefinden zu steigern. So fördert es die Konzentrationsfähigkeit, die Reaktionsschnelligkeit, das räumliche Vorstellungsvermögen, sowie Zeit-, Rhythmus- und Gleichgewichtsgefühl. Durch die gleichmäßige Beanspruchung der Muskeln und des Bewegungsapparats wird die Beweglichkeit und Ausdauer erhöht. Jonglieren erhöht außerdem das periphere Sehvermögen und schult Koordination und Wahrnehmung. Nicht zuletzt ist Jonglieren eine gute Möglichkeit, durch seine beinahe meditative Gleichförmigkeit Stress abzubauen. Außerdem führt die Gewissheit, etwas Außergewöhnliches zu beherrschen, zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins. Das ständige Fangen ist allerdings auch eine Belastung für die Gelenke, gerade der Hand. So kann es nach sehr langen Übungen, gerade neuer Tricks, zu Prellungen und Gelenkschmerzen führen.
Kognitionsentwicklung
Nachgewiesener Maßen vergrößert sich durch das Jonglieren die Brücke zwischen den beiden Gehirnhälften, der Corpus Callosum. Durch diese Vergrößerung wird eine gewisse Synchronisation, was die Benutzung der Gehirnhälften angeht, erreicht. Bei den meisten Menschen ist die linke Gehirnhälfte, die für Logik und Sprache zuständig ist, dominant, während die rechte Hälfte, die den emotionalen und phantasievollen Part des Gehirns bildet, weniger benutzt wird. Durch die Angleichung der Benutzung wird auch die Kreativität erhöht, da kreatives Schaffen vor allem durch eine beidseite Benutzung des Gehirns entsteht.
Na wenn das mal keine Gründe sind, sich mit dem Thema nicht nur theoretisch auseinanderzusetzen? Aber schauen Sie mal, wie Sie selbst als Geek ein Publikum in Rausch versetzen können allein durch die Tatsache, das Sie Bälle durch die Luft werfen und die Gravitation für Ihre Spielchen nutzen.”
Es wird höchste Zeit, dass ich meine Bälle mal wieder hervor hole. Und Sie?
Gehören Sie auch zu den Menschenscheuen und haben die Nase voll von all dem hypen “ich kenne Dich und Du kennst mich und über fünf Ecken kenne ich Steve Jobs, Bill Gates und kannte ich John Lennon”?
Rettung ist in Sicht. Michael Trenkler von Scholl Communications hat mich auf den tollen Dienst von alleinr hingewiesen. Es gibt jetzt zwei Webservices, die Ihnen die absolute Einsamkeit im Internet versprechen:
Was in beiden Services allerdings fehlt ist eine Anzeige, welche darüber informiert, mit wem man gerade alleine auf der Seite ist. Darüberhinaus bleibt ein schaler Geschmack zurück angesicht der Inkonsequenz der Betreiber. Am Ende gibt es doch wieder eine Hintertür, welche zu ganz gewöhnlichen Blogs führt.
Ein bisschen wie im wahren Leben: vorne werden der ganz grosse Seelenfrieden, Keuschheit und Abstinenz zur Schau getragen und hinter der Fassade, na Sie wissen schon…