Monatsarchiv für Februar 2007

 
 

Gute Gewohnheiten

In meinem Büro stapeln sich aktuell ca. 30 – 40 Bücher aufgetürmt zu vier kleinen Türmen. Türme, die mich an meine grossen Vorhaben, Projekte und Ideen erinnern (von denen ich wirklich einige und nicht gerade kleine habe). Sie konfrontieren mich mit meinen Möglichkeiten, aber auch mit meinen Grenzen: zumal der Staub, welcher sich auf den Buchdeckeln sammelt.

Meine E-Mail Inbox quoll gestern noch mit 1200 Emails (nach einer Woche Ferien und ein paar phlegmatischen Wochen) reichlich über, entgegen meiner ursprünglich formulierten Konvention, die Inbox abends rein und leer zu verlassen. Und das mache ich hier nicht öffentlich, um etwa zu signalisieren, wie wichtig und beschäftigt ich bin mit meiner ganzen Korrespondenz, sondern vielmehr, um einen schmalen Pfad zu meinem heutigen Thema frei zu trampeln. Vielleicht auch, um mich darüber zu belustigen, wie dämlich ich doch bin, mich in alles einzumischen, das auch nur halbwegs interessant ist. Aber das sucht man sich nicht aus. Man lebt damit. Und im besten Falle macht man das Beste daraus.

Zurück zu meinen Büchern, meiner Inbox oder besser: zurück zu Ihnen. Als wilde Unternehmerin, als Wilder mit Führungsverantwortung, als engagierter, kreativer Mensch gehören Sie vermutlich zu jenen, welche sich nicht so leicht mit dem zufrieden geben, was sie erreicht haben. Stärker noch: Sie sind sich vollkommen im klaren darüber, dass Ankommen eine höchst vergängliche und nach dem Angekommensein bald auch langweilige Sache ist. Sie legen weniger Wert auf Komfort, denn auf Abenteuer, die es zu bestehen gilt und auf all die Dinge, die Sie in die Welt bringen wollen. Wenn es nicht ganz so schlimm um Sie steht, dann seien Sie froh…

Sie stehen tagtäglich vor der Herausforderung, wie das Grosse und Wunderbare, welches auszudenken Sie in der Lage sind, denn auch umzusetzen sei. Nicht um jeden Preis, sondern zu einem vernünftigen und angemessenen. Beschäftigt Sie auch die Frage, wie es möglich ist, viele Dinge parallel oder wenige Dinge sehr intensiv zu betreiben, ohne sich dabei so zu verausgaben, dass andere wesentliche Bereiche Ihre Lebens Schaden nehmen?

Antworten stehen hier einmal mehr im wenig beleuchteten Hintergrund. Ein paar Gedanken zu einer kleinen Möglichkeit, alltägliche Herausforderungen zu bestehen möchte ich hier ins Tageslicht zerren.

Rituale.

Zerren Sie mit?

Mich begeistern Menschen, welche brauchbare alltagsbewährte Gewohnheiten entwickelt haben, die ihnen helfen, effektiv zu arbeiten. Ich verneige mich innerlich vor ihnen und erstarre in Ehrfurcht. Gehören Sie dazu? Dann lade ich Sie ein, als Co-Autor einen meiner nächsten Newsletter mitzugestalten und in meinem Blog gute Ratschläge weiterzugeben an die weniger Begabten, an Menschen wie mich.

An einem unserer Familienfeste, neulich, kam das Thema auf, inwiefern Rituale wichtig für ein harmonisches Zusammenleben und das persönliche Wohlbefinden sind. Wir sind mit dem Thema nicht wirklich weit gekommen. In der Familie ist das Thema gerne mal vorbelastet: Weihnachten, Sonntagsspaziergänge, Kirchgänge, Essensrituale – na, Sie wissen schon. Das fühlt sich manchmal ein bisschen eng an.

Aber hier sind wir unter uns und können uns ganz unbefangen dem Thema widmen. Wie wäre es, wenn Sie morgens vor dem Aufstehen ohne Panikattacke aus dem Bett kämen, weil Sie am Abend zuvor, wie jeden Abend, den neuen Tag schon geplant haben? Wie wäre es, wenn Sie beim Zähneputzen nicht das Gefühl hätten, eine riesige Verantwortung laste auf Ihren Schultern, weil Sie Ihre Projekte und Aufgaben in einem guten Rhythmus täglich pflegen und verfolgen? Wie wäre es, wenn Sie nicht jedesmal, bevor Sie auf eine Reise müssen, wieder neu überlegten, was Sie alles mitnehmen wollen?

Wäre es schön, die Welt nicht jeden Tag vollkommen neu erfinden zu müssen? Oder wäre das ein grosser Verlust? Würden Sie sich langweilen? Vielleicht. Aber vermutlich würden Sie viele neue Möglichkeiten finden, Ihren Alltag interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Und wahrscheinlich würden Sie dabei ein starkes Gefühl für Ihre Möglichkeiten und Ihre Kraft entwickeln.

Auf einer Ebene betrachtet erschöpfen sich Rituale vermeintlich im direkten Nutzen, den sie bringen: sie reduzieren Komplexität, schaffen Struktur im weiten Meer des Alltags, gleich Inseln mit idyllischen oder wenigstens praktischen Häfen. Sie machen Dinge und Situationen vorhersehbarer, erlauben ein routiniertes Vorgehen in wiederkehrenden Situationen. Aber Rituale können noch mehr in Ihren Alltag bringen und das gerade in einen Alltag, der geprägt ist von ständigen Brüchen, mangelnder Kontinuität auf vielen Niveaus und einem hohen Veränderungstakt.

Rituale können, im Gegensatz zu ihrer hässlichen Schwester “Routine”, Sinn auch in vordergründig Sinnloses bringen. Richtig praktiziert bringen alltägliche gute Gewohnheiten ein hohes Mass an selbstvergessener Involviertheit (auch Flow genannt) mit sich. Verbunden mit einer hohen Aufmerksamkeit werden wiederkehrende Aufgaben zu einer Möglichkeit tiefe Ruhe und vollkommene innere Freiheit zu finden. Rituale schaffen Präsenz und Genügsamkeit.

Sie schaffen Rhythmus, indem Sie Beginn und Ende einer spezifischen Situation oder einer bestimmten Aktivität markieren.

Das Feld der guten Gewohnheiten ist weit. Für wilde Unternehmer und Führungskräfte manchmal steinig und mühselig zu bestellen. Aber gerade Sie können auf diesem Feld seltene, edle, schöne und nahrhafte Früchte ernten. Es genügt, mit einem kleinen Ritual anzufangen. Gleich heute. Spätestens morgen.

Einen kleinen Wegweiser aufstellen für jeden Tag, der Ihnen einen Moment gibt, um loszulassen, um sich dem Augenblick zu überlassen, ohne Entscheidungen treffen zu müssen. Der Ihnen hilft, Abstand zu gewinnen indem Sie ganz in einer Sache aufgehen.

In welchem Bereich könnten Sie solch eine neue, kleine, gute Gewohnheit am besten gebrauchen?

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Daily Ritual

Erstellen Sie sich eine Liste, welche in Stichworten beschreibt, welche ToDo’s Sie alltäglich zu bestimmten Zeiten erledigen wollen. Es hat sich bewährt, die Liste in die drei Bereiche “Arbeitsbeginn”, “Mittagspause” (kann bei Spätrhythmikern auch am Nachmittag oder frühen Abend sein) und Arbeitsende zu unterteilen.

Halten Sie auf Ihrer Liste fest, was Sie jeden Morgen tun wollen, auch die ganz trivialen Dinge:

  • Computer anstellen.
  • Kaffee holen.
  • Emails checken.
  • ToDo Liste durchgehen.
  • Projektplan checken.
  • Kurze Abstimmung mit den Mitarbeitern.

Machen Sie das Gleiche für die anderen Tageszeiten. In der Mitte des Arbeitstages kann es hilfreich sein, bewusst einen Moment der Stille, des Alleinseins, des Abstandnehmens zu schaffen. Das erlaubt den Dingen und Anforderungen, sich natürlich zu ordnen. Für das Arbeitsende eignen sich beispielsweise wunderbar das Erfolgstagebuch vom letzten Mal und eine grobe Planung des nächsten Tages.

Gewöhnen Sie sich an, täglich stur, aber entspannt nach der Liste vorzugehen. Üben Sie sich darin, die Aufgaben, zu den entsprechenden Zeiten zu erledigen. Und geniessen Sie es, nicht nachdenken zu müssen, sondern einfach nach Plan vorgehen zu können. Erliegen Sie in den weniger strukturierten Zeiten nicht Ihrer Impulsivität oder dem Tonsignal des Computers (Emaileingang!). Nutzen Sie Ihre Spontaneität, Ihre Unlust, Ihre Lust und Kreativität für Ihre anderen Arbeitsprozesse.

Auch wenn Sie in den Zeiten dazwischen einen wilden, spontanen und kreativen Arbeitsstil pflegen und für Ihre Arbeit brauchen. Diese strukturierten Momente bilden einen schönen, klaren, weiten Rahmen für Ihr Schaffen.

Viel Spass beim Ausprobieren. Ihre Lieblingsrituale und Anregungen können Sie mit den anderen Lesern in meinem Blog teilen.

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Erfolgs- und Zufriedenheitstagebuch

Nehmen Sie sich am Abend eines jeden Arbeitstags der nächsten zwei Wochen fünfzehn Minuten Zeit.

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Coach, der Sie den ganzen Tag mit dem grössten Wohlwollen und einem untrügbaren Blick für Ihre Stärken und Vorlieben beobachtet hat. Was würde er auf folgende Fragen antworten?

  • Welche für Sie wesentlichen Dinge haben Sie vorwärts gebracht?
  • Was haben Sie heute erreicht?
  • Was ist Ihnen heute besonders gut gelungen?
  • Welche Aktivität ist Ihnen besonders leicht gefallen?
  • Welche Aktivität hat Ihnen heute am meisten Spass gemacht?
  • Mit wem haben Sie ausserordentlich gut zusammengearbeitet?
  • An welchen Katastrophen sind Sie nicht verzweifelt?

Was sollten Sie gleich morgen noch intensiver in Ihren Arbeitsalltag integrieren?

Wenn Sie diese Übung täglich machen, dann entwickeln Sie ein untrügliches Gespür für Ihre Stärken und Vorlieben. Sie schaffen eine gute Grundlage, jenes in Ihren Alltag zu integrieren, an dem Ihr Herzblut hängt. Darüberhinaus schaffen Sie sich Zugang zu Ihren Erfolgen und zu dem, was Sie alltäglich leisten.

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Stinkender Fisch?

Stinkender Fisch?

Nach dem ich gerade über die Online-Rezensionen auf Amazon geflogen bin, war ich schon fast geneigt, das Buch “FISH!” (Stephen C. Lundin, Harry Paul, John Christensen), ein Buch über Mitarbeitermotivation im Unternehmen, als Bezugspunkt für meine heutigen Ausführungen fallenzulassen. “Natürlich kann der demotivierte Büromensch etwas lernen, wenn er anderen bei der Arbeit zusieht, die mehr Spaß haben, zum Beispiel Fischverkäufern. Aber wer selbst eine Führungsposition bekleidet (wie ich), der weiß auch: Meist stinkt der “Fisch” vom Kopf her, meist sind verkrustete Strukturen in der Hierarchie eine große Bremse.” schreibt da ein Rezensent und merkt gar nicht, dass er nicht die Bohne von dem verstanden hat, wovon das genannte Buch handelt.

1997 habe ich in der Justizvollzugsanstalt Diez die externe Suchtberatungsstelle der Diakonie aufgebaut. Nach und nach hatte ich einen brauchbaren “Kundenstamm” aus einem Pool von 600 Langzeitinhaftierten: sozusagen der Crème de la Crème der rheinland-pfälzischen Kriminalitätselite, denen ich mit meiner Beratung Gutes tun wollte und ab und an wohl auch tat. Ich habe tagtäglich Menschen beraten, die als Abschaum der Gesellschaft angesehen werden (und sich selbst so fühlen), keinerlei Perspektive auf ein angenehmes Leben haben (ausser auf Sonnenauf und -untergang, so Ihr Zellenfenster nicht nach Norden weist) und zum Teil noch fünfzehn Jahre Strafvollzug mit anschliessender zehnjähriger Sicherheitsverwahrung vor sich hatten. Es ist wahrlich bedrückend, sich vorzustellen, dass Menschen, mit denen ich damals arbeitete, heute, zehn Jahre später, gerade mal zwei Drittel ihrer Haftstrafe verbüsst haben.

“Deprimierend”, denken Sie? Genau! Eine weitere deprimierende Geschichte gefällig?

Ich habe hier noch eine ganz alltägliche, wie Sie sie tausendfach hören, lesen, beobachten können: Ein sympathischer, eigentlich witziger und geistreicher Bekannter, macht seit Jahren einen Job, der ihm völlig gegen den Strich geht. Kunden aus der Patsche helfen, permanent auf Anforderungen von aussen reagieren, jedes Bestreben, mitzugestalten im Keim erstickt und das alles zu einem Lohn, den man nicht mal als angemessenes Schmerzensgeld beschreiben darf. Wenig Spielraum, wenig Einflussmöglichkeit und keine Aussicht auf Änderung in Sicht. Opfer der Umstände. Gefangener der Strukturen, Mitmenschen und frag-mich-nicht-was.

Und fühlen sich viele Unternehmer nicht in ähnlicher Situation? Der (Un-)Gunst der Stunde, den Ups und Downs des eigenen Marktwertes ausgeliefert? Eingeklemmt zwischen aufsteigenden Wirtschaftsmächten, wie China, Indien? Erdrückt vom Lohndumping der osteuropäischen Länder?

Wir fühlen uns allzu oft als Opfer misslicher Umstände und gewissermassen ohnmächtig gegenüber dem Lauf der Dinge. Aber sind wir das wirklich? Sind wir Opfer? Sind wir tatsächlich abhängig von unseren aktuellen Möglichkeiten, die Dinge äusserlich zu beeinflussen? Sind wir wirklich Ausgelieferte? Oder sind wir Gestalter unserer Welt?

Der Rezensent von oben kommt mit seiner Aussage allzu schwachbrüstig daher, nicht weil er vollkommen unrecht hätte. Natürlich sind wir bestimmt durch die Umstände. Natürlich leben wir in wechelseitiger Abhängigkeit mit der Welt, die uns umgibt. Aber macht uns das schon zu Opfern? Der Text des Rezensenten ist schwach, weil er den Menschen, die Führungskraft, den Mitarbeiter implizit freispricht von ihrer Verantwortung für ihr Leben und Handeln.

Wie mein Bekannter, wie all jene, welche die Umstände verantwortlich machen und sich und die anderen verführen, Opfer zu sehen, wo wir es mit verantwortlichen Akteuren und Handelnden zu tun haben. Ebenso schwachbrüstig war ich in meiner Knastzeit: das System, die Strukturen, die Umstände, die armen Inhaftierten haben solch ein schreckliches Leben. Ach wäre nur alles anders, dann wäre alles einfach: Pustekuchen!!

Ich bereue heute aufrichtig, dass ich in meiner Arbeit mit den Gefangenen nicht mehr Ausdauer besass, sie zu unterstützen, Ihre Spielräume zu nutzen. Spielräume die sich öffnen können hin zu einem leidenschaftlicheren, leistungsorientierten und leichteren Leben. Es gibt keinerlei Grund, Entschuldigung oder was auch immer, für nicht-genutzte Gelegenheiten und Möglichkeiten. Es gibt keinen Ansatzpunkt, der zu schwach, klein und unbedeutend wäre, als dass er nicht genutzt werden könnte.

Das Buch “FISH!” ist flach wie eine Flunder. Die Story so hahnebüchen konstruiert, dass ich grosse Schwierigkeiten hatte, dranzubleiben und dem Drang, das Medium in den Müll zu befördern, mehrfach widerstehen musste. Das mag an der Übersetzung liegen, aber sehr wahrscheinlich liegt es daran, das die Autoren eine Riesenschnulze um einige Anregungen drapierten, die dann doch ihre Berechtigung haben.

Ich erspare Ihnen eine Wiedergabe der Inhalte. Aber eine dieser Anregungen möchte ich hier noch schnell aufgreifen und ein brauchbares, prägnantes Konzept der Selbststeuerung weitergeben.

“Wähle Deine Einstellung.”

Das klingt wie Achtziger-Jahre-New-Age-Bla-Bla schlechtgekleideter, unglaubwürdiger Motivationsspezialisten. Das klingt nach Dale Carnegie und anderen Vertretern der “Denke-positiv-und-alles-wird-gut”-Fraktion. Doch mitnichten…

Viktor E. Frankl, der Begründer der dritten Wiener Therapieschule (neben Freud und Jung), der Logotherapie, legt in seinem Buch “trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager.” Zeugnis von seinem Martyrium im Konzentrationslager “Ausschwitz” ab, wo er seine ganze Familie verlor. In seiner Therapieschule geht es überwiegend um die Frage nach dem Sinn und darum, wie wir in jeder Situation, auf die Frage nach Sinn, die wir nicht dem Leben stellen dürfen, sondern die das Leben uns stellt, antworten können.

Er ging so weit, zu sagen, dass wir, wenn wir schon nicht frei sind, der Folter, inhumaner Behandlung und der Entwürdigung zu entkommen, wir doch die absolute Freiheit behalten, welche Haltung wir gegenüber diesen Geschehnissen und den Menschen, die uns das antun, einnehmen. Was ihn, angesichts des Unfassbaren, davor bewahrt hat, den Verstand und sein Leben zu verlieren, war das unumstössliche Festhalten an seiner eigenen Vision von Menschlichkeit und seinen eigenen Werten. Damit hat er sich im Schlimmsten die letzte, äusserste Freiheit, die dem Menschen zur Verfügung steht, bewahrt.

Um ein weniger drastisches Beispiel anzuführen: in einem Bericht, den ich vor einigen Jahren las, war die Rede von einem Mautkassierer an der Golden Gate Bridge. Der langweiligste Job, den man sich vorstellen kann. Tagein, tagaus, irgendwelche Menschen in irgendwelchen Autos, die ihre Gebühr bezahlen müssen, um auf die andere Seite zu gelangen. Aus die Maus. Nur gab es hier völlig Genervte und Frustrierte, die ihren Job mit absoluter Abscheu und einen, welcher seine Arbeit mit grösster Freude erledigte. Erstere quälten sich durch jeden neuen Arbeitstag, letzterer hatte so viel Spass, wie die Menschen in den Autos, denen er, wenn auch nur kurz, mit Witz, Esprit, Freundlichkeit und Charme begegnete.

Vielleicht klingt das platt. Vielleicht klingt sie nach amerikanischem Zuckerwatte-Geschwätz, diese Behauptung, wir hätten die Wahl bezüglich unserer Einstellung und damit die Macht, Einfluss zu nehmen. Und vielleicht klingt sie vor allem dann platt, wenn wir sie auf die unmittelbare Wirkung hin prüfen. Aber es geht nicht nur um den gegenwärtigen Moment und die Wirkungen, die wir in der Gegenwart hervorbringen. Es geht auch und vor allem darum, welche Wirklichkeit wir mit unserer inneren Haltung, unserem Denken für eine nahe und ferne Zukunft für uns und die anderen schaffen. Von entscheidender Bedeutung ist es, ob wir mit unseren Gedanken und unserem Handeln, auch in schwierigen Situationen, den Samen für zukünftiges Glück, zukünftigen Erfolg, zukünftige Erfüllung und eine gesunde Welt ausbringen oder den Samen der Gleichgültigkeit, der Mutlosigkeit, der Sorge und der Angst.

Egal wie schwierig die Umstände, egal wie eng unser Handlungsspielraum, egal wie gross die Bedrohung durch Mitbewerber, potente Wirtschaftsmächte, egal wie verzweifelt eine Lage: die Wahl der eigenen Haltung, die Freiheit, den eigenen Grundwerten und den eigenen Visionen für das Unternehmen, für das Gemeinwesen, für die Welt in der wir leben, treu zu bleiben, haben wir immer. Und damit haben wir in jeder Situation die Kraft und die Macht, selbstverantwortlich und mutig zu leben.

Stinkender Fisch? Entscheiden Sie selbst.

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Keine Angst vor Pausen

Der Wecker klingelt: 6.00 Uhr. Sie sind noch nicht wach, doch die ersten Gedanken blitzen schon freudig in Ihrem Kopf. Was Sie aus dem gestrigen Tag mitgenommen haben und im Schlaf nicht erledigen konnten wartet bereits geduldig auf Sie. Die grossen Herausforderungen, die der neue Tag für Sie bereit hält, helfen Ihnen mehr schlecht als recht aus dem Bett. All das Angefangene und Unbeendete liegt direkt vor der Schlafzimmertür und heftet sich an Ihre Versen, sobald Sie daran vorüber gehen. Sie fühlen sich getrieben von kleinen Befürchtungen, mittelmässigen Sorgen und einer chronischen inneren Unruhe. Und über all dem schwebt ein ängstlicher Gedanke: “Wie soll ich das alles schaffen?” Kennen Sie das?

Vielleicht sind Sie am Abend zuvor spät ins Bett gegangen. Vielleicht haben Sie schlecht geschlafen, vielleicht gut. Das ist jetzt egal. Eine neue Schlacht ruft…

Eine Hoffnung, ein heiliges Versprechen treibt Sie weiter: “Nur noch dieses zu Ende bringen, nur noch jenes erledigen, dann kann ich mich endlich entspannen, dann kann ich endlich zur Ruhe kommen. Nur noch dieses zu Ende denken und jenes abschliessend entscheiden. Nur dieses eine Problem lösen, diese eine Unklarheit ausräumen, dann kann ich mir endlich Ruhe gönnen und neue Kraft schöpfen.”

Aber der ersehnte Moment tritt nicht ein. Wie der verzweifelte Kampf gegen die Hydra: kaum ist ein Kopf abgeschlagen, wachsen zwei neue Köpfe nach. Für jede erledigte Aufgabe werden Sie mit zwei neuen belohnt. Für jedes erledigte Projekt hält der unruhige Unternehmer in Ihnen zwei neue bereit. Kennen Sie das?

Viele meiner Kunden fordern sich alltäglich ausserordentliche Höchstleistungen ab. Sie sind mit fünfzig bis sechzig Wochenarbeitsstunden nicht nur überdurchschnittlich im Beruf engagiert (vom nicht messbaren inneren Engagement ganz zu schweigen). Darüberhinaus versuchen Sie dies mit einem Familienleben und häufig noch ehrenamtlichen Aktivitäten in Einklang zu bringen.

Heute morgen kam eine Kundin zu mir ins Büro, ganz aufgewühlt und unruhig. Sie behielt den Mantel an. Eigentlich wollte Sie den Termin absagen und gleich wieder gehen. Sie schien keine Zeit zu haben für das Gespräch mit mir. Einige Dinge im Privaten und einige im Unternehmen hatten sich in den letzten Tagen unerfreulich entwickelt und sie war überzeugt, diese Dinge erst bewältigen, klären und Entscheidungen treffen zu müssen, bevor sie die Ruhe hätte, mit mir Gespräche zu führen.

Ich habe sie höflich, aber bestimmt eingeladen, sich folgende Frage zu stellen: “Was wird Ihnen mittelfristig mehr Entlastung bringen? Wenn Sie jetzt wieder gehen und versuchen sich in der gewohnten Art durch all die Wirrnisse und auf Sie einprasselnden Phänomene durchzuwursteln? Oder vielleicht doch, sich einen Moment Zeit zu nehmen, nicht dem inneren Drang zum Handeln nachzugeben, um ein bisschen Ruhe ins “System” zu bringen, zu innerer Klarheit zu finden und nachhaltige Strategien zu entwickeln?”

Die Betonung liegt hier auf “mittelfristig”. Kurzfristig scheint es viel wirksamer zu sein, zu handeln und dem Aktivismus nachzugeben, Nägel mit Köpfen zu machen, die anstehenden Dinge hinter sich zu bringen. Kurzfristig ist es viel unbequemer und scheint es viel weniger effektiv, sich Zeit zu nehmen, um sich mit den Komplikationen in Ruhe auseinanderzusetzen.

Mein Engagement heute morgen hat sich gelohnt. Meine Kundin zog den Mantel aus. Blieb ein Stündchen. Und hat es nicht bereut. Im Gegenteil.

Bei Richard Carlson habe ich eben eine kleine Passage gelesen: “Ich arbeite nun schon seit über einem Jahrzehnt im Bereich der Stressbewältigung und habe seitdem viele aussergewöhnliche Leute kennengelernt. Mir fällt jedoch kein einziger innerlich ausgeglichener Mensch ein, der nicht buchstäblich jeden Tag ein paar ruhige Minuten für sich allein verbringt.”

Wie ist das bei Ihnen? Gönnen Sie sich solche Momente? Haben Sie vielleicht sogar Rituale, die Ihnen alltäglich helfen, Klarheit zu finden? Lassen Sie den Affengeist, der ohne Unterlass von Baum zu Baum springt, hin und wieder ein bisschen zur Ruhe kommen?

Ich möchte Sie gerne einladen, dass Sie sich solche Zeiten “gönnen”. Nehmen Sie sich jeden Tag ein bisschen Zeit, um einfach nur zu atmen, zu spüren, was in Ihnen vorgeht, um die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen und den inneren Macher temporär an die frische Luft zu setzen. Und glauben Sie mir: Sie müssen es regelmässig tun. Es wird nicht funktionieren, wenn Sie das alle paar Tage mal versuchsweise machen.

Was so schön und idyllisch klingt, ist für die meisten Macher, ob Unternehmer, Führungskraft oder anderweitig engagiert, alles andere als angenehm. Auch wenn das Gegenteil behauptet wird: es fällt den meisten viel leichter, sich mit irgendetwas zielgerichtetem zu beschäftigen, als sich den “inneren Bedrohungen” auszusetzen, die ein paar “schöne” ruhige Minuten für den hyperaktiven Menschen mit Führungsverantwortung mit sich bringen.

Es braucht Zeit, es braucht Geduld und es braucht regelmässige Wiederholung, um der inneren Unruhe die Zeit zu geben, sich zu beruhigen und es gibt schliesslich keine wirklich wirksame Methode, um diese Ruhe herbeizuzwingen oder sonst irgendwie zu machen. Innere Ruhe und Gelassenheit zu entwickeln, geschieht nicht durch Machen, sondern durch Lassen. Das Bedürfnis nach Steuerung und Kontrolle aufzugeben und darauf zu vertrauen, dass der Körper in der Lage ist, ganz allein ein inneres Gleichgewicht herzustellen, gehört häufig nicht zu den ausgeprägten Fähigkeiten von Unternehmern und Führungskräften.

Was heisst das übersetzt? Dass Sie hier vielleicht noch ganz viel Potential haben, welches Sie entwickeln können. Und das Sie hier etwas lernen können, das sich ganz unauffällig auf Prozesse im Führungs- und Unternehmeralltag übertragen kann. Denn alle wesentlichen Prozesse lieben, neben einer angemessenen Steuerung, den Raum, sich ihrem eigenen Rhythmus gemäss zu entwickeln und zu entfalten.

Wenn Sie sich also diese Zeiten der Ruhe gönnen, oder sollte ich besser sagen “verschreiben”, und sei es nur für 10 – 15 Minuten täglich, dann werden Sie spüren, wie Ihre Tage nach und nach durchdrungen werden von Klarheit und mehr innerer Ruhe. Und Sie werden merken, dass Sie Ihre Tage und die jeweiligen Anforderungen in einem weniger harten Griff halten können, ohne dass Sie Ihnen entgleiten. Im Gegenteil….

Die Arbeit hält drei große Übel fern: die Langeweile, das Laster und die Not.

Voltaire

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Martins QuickTipp – Viele kleine Pausen erhöhen die Leistungsfähigkeit

Verschieben Sie Ihre Pausen nicht aufs Wochenende oder die nächsten Ferien. Folgen Sie Ihrer entschlossenen Schaffenskraft. Folgen Sie Ihrem Rhythmus. Und bauen Sie immer wieder kleine Entspannungsmomente ein. Werden Sie kreativ, günstige Gelegenheiten für ein neunzig Sekunden Nickerchen, einen entspannten Tagtraum und aufmerksames Durchatmen zu erkennen und zu nutzen.

Ein paar Anregungen:

  • Stehen Sie eine Stunde vor allen anderen auf und geniessen Sie die Ruhe und das Alleinsein, während die Welt um Sie herum noch schläft.
  • Machen Sie sich ein bisschen früher als gewohnt zur Sitzung auf. Gehen Sie auf dem Weg ein bisschen langsamer und konzentrieren Sie sich bei jedem Schritt auf den Kontakt zum Boden.
  • Konzentrieren Sie sich überall, wo Sie stehend warten müssen, auf den Kontakt Ihrer Füsse mit dem Boden.
  • Gönnen Sie sich in Marathon-Sitzungen bei Themen, die Sie nicht betreffen ganz bewusste Downtimes. Koppeln Sie sich bewusst vom äusseren Geschehen ab und folgen Sie aufmerkam dem Kommen und Gehen Ihres Atems .
  • Machen Sie sich 30 Minuten früher als gewohnt, zu einem wichtigen Businesstermin auf. Gehen Sie das Risiko ein, zu früh da zu sein und geniessen Sie den Moment des Alleinseins im Auto oder gehen Sie ein paar Schritte um den Block.
  • Gehen Sie mit gesenktem Blick durch grosse Menschenmengen und verschliessen Sie Ihre Innenwelt bewusst vor den tausend Eindrücken der modernen Welt.
  • Heben Sie den Blick und gehen Sie aufmerksam durch die Natur. Schauen Sie aus dem Fenster auf Gärten, Parks und den weiten Himmel.
  • Fahren Sie abends nicht direkt nach Hause. Halten Sie ein oder zwei Querstrassen vorher an einer schönen Stelle an. Lassen Sie den Tag noch einmal Revue passieren. Und lassen Sie die Anspannung des Tages ausklingen, bevor Sie zu Hause die Tür aufschliessen und mit neuen Anforderungen konfrontiert werden.

Viel Spass beim Ausprobieren.

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