Gute Gewohnheiten
In meinem Büro stapeln sich aktuell ca. 30 - 40 Bücher aufgetürmt zu vier kleinen Türmen. Türme, die mich an meine grossen Vorhaben, Projekte und Ideen erinnern (von denen ich wirklich einige und nicht gerade kleine habe). Sie konfrontieren mich mit meinen Möglichkeiten, aber auch mit meinen Grenzen: zumal der Staub, welcher sich auf den Buchdeckeln sammelt.
Meine E-Mail Inbox quoll gestern noch mit 1200 Emails (nach einer Woche Ferien und ein paar phlegmatischen Wochen) reichlich über, entgegen meiner ursprünglich formulierten Konvention, die Inbox abends rein und leer zu verlassen. Und das mache ich hier nicht öffentlich, um etwa zu signalisieren, wie wichtig und beschäftigt ich bin mit meiner ganzen Korrespondenz, sondern vielmehr, um einen schmalen Pfad zu meinem heutigen Thema frei zu trampeln. Vielleicht auch, um mich darüber zu belustigen, wie dämlich ich doch bin, mich in alles einzumischen, das auch nur halbwegs interessant ist. Aber das sucht man sich nicht aus. Man lebt damit. Und im besten Falle macht man das Beste daraus.
Zurück zu meinen Büchern, meiner Inbox oder besser: zurück zu Ihnen. Als wilde Unternehmerin, als Wilder mit Führungsverantwortung, als engagierter, kreativer Mensch gehören Sie vermutlich zu jenen, welche sich nicht so leicht mit dem zufrieden geben, was sie erreicht haben. Stärker noch: Sie sind sich vollkommen im klaren darüber, dass Ankommen eine höchst vergängliche und nach dem Angekommensein bald auch langweilige Sache ist. Sie legen weniger Wert auf Komfort, denn auf Abenteuer, die es zu bestehen gilt und auf all die Dinge, die Sie in die Welt bringen wollen. Wenn es nicht ganz so schlimm um Sie steht, dann seien Sie froh…
Sie stehen tagtäglich vor der Herausforderung, wie das Grosse und Wunderbare, welches auszudenken Sie in der Lage sind, denn auch umzusetzen sei. Nicht um jeden Preis, sondern zu einem vernünftigen und angemessenen. Beschäftigt Sie auch die Frage, wie es möglich ist, viele Dinge parallel oder wenige Dinge sehr intensiv zu betreiben, ohne sich dabei so zu verausgaben, dass andere wesentliche Bereiche Ihre Lebens Schaden nehmen?
Antworten stehen hier einmal mehr im wenig beleuchteten Hintergrund. Ein paar Gedanken zu einer kleinen Möglichkeit, alltägliche Herausforderungen zu bestehen möchte ich hier ins Tageslicht zerren.
Rituale.
Zerren Sie mit?
Mich begeistern Menschen, welche brauchbare alltagsbewährte Gewohnheiten entwickelt haben, die ihnen helfen, effektiv zu arbeiten. Ich verneige mich innerlich vor ihnen und erstarre in Ehrfurcht. Gehören Sie dazu? Dann lade ich Sie ein, als Co-Autor einen meiner nächsten Newsletter mitzugestalten und in meinem Blog gute Ratschläge weiterzugeben an die weniger Begabten, an Menschen wie mich.
An einem unserer Familienfeste, neulich, kam das Thema auf, inwiefern Rituale wichtig für ein harmonisches Zusammenleben und das persönliche Wohlbefinden sind. Wir sind mit dem Thema nicht wirklich weit gekommen. In der Familie ist das Thema gerne mal vorbelastet: Weihnachten, Sonntagsspaziergänge, Kirchgänge, Essensrituale - na, Sie wissen schon. Das fühlt sich manchmal ein bisschen eng an.
Aber hier sind wir unter uns und können uns ganz unbefangen dem Thema widmen. Wie wäre es, wenn Sie morgens vor dem Aufstehen ohne Panikattacke aus dem Bett kämen, weil Sie am Abend zuvor, wie jeden Abend, den neuen Tag schon geplant haben? Wie wäre es, wenn Sie beim Zähneputzen nicht das Gefühl hätten, eine riesige Verantwortung laste auf Ihren Schultern, weil Sie Ihre Projekte und Aufgaben in einem guten Rhythmus täglich pflegen und verfolgen? Wie wäre es, wenn Sie nicht jedesmal, bevor Sie auf eine Reise müssen, wieder neu überlegten, was Sie alles mitnehmen wollen?
Wäre es schön, die Welt nicht jeden Tag vollkommen neu erfinden zu müssen? Oder wäre das ein grosser Verlust? Würden Sie sich langweilen? Vielleicht. Aber vermutlich würden Sie viele neue Möglichkeiten finden, Ihren Alltag interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Und wahrscheinlich würden Sie dabei ein starkes Gefühl für Ihre Möglichkeiten und Ihre Kraft entwickeln.
Auf einer Ebene betrachtet erschöpfen sich Rituale vermeintlich im direkten Nutzen, den sie bringen: sie reduzieren Komplexität, schaffen Struktur im weiten Meer des Alltags, gleich Inseln mit idyllischen oder wenigstens praktischen Häfen. Sie machen Dinge und Situationen vorhersehbarer, erlauben ein routiniertes Vorgehen in wiederkehrenden Situationen. Aber Rituale können noch mehr in Ihren Alltag bringen und das gerade in einen Alltag, der geprägt ist von ständigen Brüchen, mangelnder Kontinuität auf vielen Niveaus und einem hohen Veränderungstakt.
Rituale können, im Gegensatz zu ihrer hässlichen Schwester “Routine”, Sinn auch in vordergründig Sinnloses bringen. Richtig praktiziert bringen alltägliche gute Gewohnheiten ein hohes Mass an selbstvergessener Involviertheit (auch Flow genannt) mit sich. Verbunden mit einer hohen Aufmerksamkeit werden wiederkehrende Aufgaben zu einer Möglichkeit tiefe Ruhe und vollkommene innere Freiheit zu finden. Rituale schaffen Präsenz und Genügsamkeit.
Sie schaffen Rhythmus, indem Sie Beginn und Ende einer spezifischen Situation oder einer bestimmten Aktivität markieren.
Das Feld der guten Gewohnheiten ist weit. Für wilde Unternehmer und Führungskräfte manchmal steinig und mühselig zu bestellen. Aber gerade Sie können auf diesem Feld seltene, edle, schöne und nahrhafte Früchte ernten. Es genügt, mit einem kleinen Ritual anzufangen. Gleich heute. Spätestens morgen.
Einen kleinen Wegweiser aufstellen für jeden Tag, der Ihnen einen Moment gibt, um loszulassen, um sich dem Augenblick zu überlassen, ohne Entscheidungen treffen zu müssen. Der Ihnen hilft, Abstand zu gewinnen indem Sie ganz in einer Sache aufgehen.
In welchem Bereich könnten Sie solch eine neue, kleine, gute Gewohnheit am besten gebrauchen?







