Monatsarchiv für August 2006
Ein Ort für Ihre Gedanken
Sich Gedanken darüber zu machen, wo Sie Ihre Gedanken verstauen können, mag Ihnen belanglos und trivial erscheinen. Damit Selbstmanagement allerdings gelingt und effektive Selbstorganisation möglich wird, sind vier Faktoren von äusserster Bedeutung:
- Es muss Spass machen.
- Es muss einfach, sprich praktikabel sein.
- Der Aufwand muss überschaubar bleiben.
- Es muss Spass machen.
Vor geraumer Zeit habe ich Sie mit Anregungen beglückt, wie Sie Ihren Kopf freikriegen und somit Ihre Aufmerksamkeit ganz auf die Aktivitäten richten können, mit denen Sie sich gerade befassen. Sie sollten einen Gedankenbehälter anschaffen, den Sie ungestört überall mitführen können und alles notieren, was Ihre Aufmerksamkeit über Gebühr strapaziert.
Welcher Sammelbehälter eignet sich besonders?
Die erste Option ist der Notizblock mit Stift (Bleistift, Kugelschreiber, Filzer oder Aufziehfüller für den Geniesser) in seinen vielen Varianten: College, gebunden, zum Abreissen etc.
Der Notizblock ist eine geniale Option, auch wenn er in unseren virtuellen Zeiten altbacken anmuten mag. Man hat etwas ehrliches in der Hand und mit der Hand zu schreiben ist ein wahrer Genuss, zumal, wenn man sich sonst die meiste Zeit auf Plastikknöpfen austobt.
Der Notizblock ist schnell, leicht, wenig anfällig, da nur minimale Technologie zur Anwendung kommt und braucht nicht mal zwei Sekunden zum Hochfahren. Allerdings hat man nachher jede Menge Flatterblätter, die beim Blättern flattern…
Genug der Zungenbrecher. Zu den Nachteilen:
- Einfache lose Blätter (aus dem Notizblock gerissen) bergen ein nicht zu unterschätzendes Risiko des Datenverlustes, auch ohne Festplattencrash. (Ich erspare Ihnen jetzt die Geschichte aus dem Gute-Nacht-Buch meiner Älteren, die von dem Jungen, handelt der mit Mamas Einkaufszettel loszog…).
- Und Gebundenes lässt sich schlecht sortieren und weiterverarbeiten.
Eine weitere Möglichkeit zum Erfassen Ihrer Gedanken ist natürlich der Computer, gesetzt den Fall, dass Sie die meiste Zeit davor verbringen (was ich Ihnen nicht wünsche) und Sie somit ständig Zugriff darauf haben. Er ist allerdings keine grosse Hilfe, wenn Ihnen die besten Einfälle abends vor dem Einschlafen, in der Natur oder in der Badewanne kommen.
Einen Handheld, PDA (Personal Digital Assistant) oder ein Smartphone schlagen Sie vor? Viel Vergnügen! Ich habe mich die letzten fünf Jahre mit dem Zeug herumgeschlagen und komme zu dem Schluss: man muss dafür geboren sein. Mit einem Stift auf einer Oberfläche herummalen und permanent die falsch erfassten Buchstaben zurückkorrigieren oder mit der Stiftspitze auf einer digitalen Minitastatur rumdöckeln? Nee, nee. Das ist keine Erleichterung, das ist ein Alptraum.
Vermeintlich gewiefte verwenden digitale Diktiergeräte. Mit dem Nachteil, dass sie das, was sie gesprochen haben in Echtzeit wieder ablauschen dürfen. Eine wenig geeignete Option, Ihre Effektivität zu steigern.
Ich persönlich bevorzuge A6 Karteikarten. Die passen in nahezu jede Tasche und bieten genug Platz, zum Schreiben. Ausserdem brauche ich dank der Festigkeit keine Schreibunterlage und ich verliere sie aus dem gleichen Grund weniger leicht.
Ich kann sie, bei Bedarf, nebeneinander ausbreiten und sortieren. Für die ganz Ausgebufften bietet sich zudem die Verwendung unterschiedlicher Farben an, um bereits beim Notieren eine gewisse Struktur bzw. Kategorisierung zu schaffen.
Sollten Sie darüberhinaus Ihre Effektivität so weit gesteigert haben, dass Sie nicht mehr Wissen, wohin mit der vielen Zeit, können Sie sich damit vergnügen, Kartenhäuser zu bauen.
Alles Vorteile, die Sie mit dem gewöhnlichen Spiralblock, gebundenen Notizbüchern à la “Moleskine” trotz ihrer edlen Anmutung nicht haben. Wie Sie Karteikarten mit edlen “Moleskine”-Accessoires in eine geniale Symbiose bringen können, davon werde ich demnächst berichten.
Welche Möglichkeiten Sie für sich entdecken, für welche Option Sie sich nach geeigneter Prüfung auch immer entscheiden, noch ein kleiner Rat zum Abschluss: beschränken Sie sich. Schaffen Sie nicht zehn verschiedene Notizbücher, für jeden Raum Ihres Palastes an.
Sammeln Sie nicht einen Teil Ihrer Gedanken im Computer, einen weiteren im Palm PDA und den Rest verteilt auf Post-Its und wilde Fresszettel. Beschränken Sie sich auf wenige, am besten einen einzigen Sammelbehälter.
Wie Sie Ihren Sammelbehälter auf sinnvolle Weise leeren können und die ganzen Ideen, Gedanken, Termine, Erledigungen und ToDo’s weiter verabeiten können, davon mehr in einem der nächsten Beiträge.
Entlasten Sie Ihr Hirn
Solange Sie alle Gedanken, die von Bedeutung für Sie und Ihr Leben sind, im Kopf behalten, können Sie kaum etwas anderes damit tun, als sie permanent im Geiste hin und her zu bewegen. Das geschieht völlig unabhängig von der Tatsache, ob Sie in der entsprechenden Sache im Augenblick etwas unternehmen können oder nicht.
Entlasten Sie Ihr Hirn, damit Sie sich voll und ganz auf das konzentrieren können, was sich vor Ihrer Nase befindet und Ihre volle Aufmerksamkeit gut gebrauchen kann: Ihr Partner, Ihre Kinder, eine konkrete Aufgabenstellung, ein Kollege, ein Kunde oder einfach Sonne, Wind und blauer Himmel.
Viele Menschen glauben, sie könnten Stress vermindern und bewältigen indem sie sich entspannen, Ihre Zeit besser planen, Prioritäten setzen und andere schlaue Dinge tun, die uns modernes Zeitmanagement empfiehlt. Daran ist auch nichts Falsches. Nur ich behaupte: das reicht nicht.
Das kann nicht reichen. Psychischer Stress und die Belastung, die wir erleben, entsteht an genau einem Ort: in unserem Denken. Innere Anspannung entsteht durch unsere innere Haltung bezogen auf die Eindrücke, mit denen wir konfrontiert sind. Ob diese Reize nun aus der Umwelt oder aus unserem eigenen Denken kommen spielt dabei eine mehr als unerhebliche Rolle.
Wenn Sie die Zahl der Bedrohungen, Herausforderungen, Ziele, Fragestellungen, Projekte, die Ihr Hirn in jeder Millisekunde durchqueren, reduzieren, machen Sie einen entscheidenden Schritt zu mehr Ruhe, Entspannung und Gelassenheit in Ihrem Alltag.
Kaufen Sie sich ein Blanko-Buch, besorgen Sie sich einen College-Block oder noch besser: ein kleines Vokabelheft, das in die Hosentasche passt. Nutzen Sie irgendetwas, auf dem Sie Ihre Gedanken festhalten können. Und sorgen Sie dafür, dass Sie es immer bei sich haben. Halten Sie alles, was Ihnen einfällt, Sie belagert, Ihre Aufmerksamkeit über Gebühr fordert, ohne dass Sie augenblicklich etwas unternehmen können darin fest. Die Betonung liegt dabei nur auf einem einzigen Punkt: alles! Bringen Sie alles nach aussen.
Und schauen Sie Ihre Notizen regelmässig durch, um sie zu ordnen, festzulegen, ob und welche konkreten nächsten Schritte Sie wann in welcher Sache unternehmen wollen.
Wenn Sie Ihr Selbstmanagement verbessern und mehr Ruhe in Ihren Alltag bringen wollen, dann machen Sie mit dieser Technik den entscheidenden nächsten Schritt.
Bringen Sie alles nach aussen
Kennen Sie das auch? Sie gehen an einem schönen Sommertag gemütlich durch die schöne Natur oder liegen im Garten auf der edlen Holzliege, alles ist bereitet für einen wunderbaren Moment der Entspannung. Die Sonne steht tief, eine angenehmer Wind weht und Sie? Sie kriegen von der ganzen Atmosphäre überhaupt nichts mit. Tausend Gedanken an unerledigte Dinge, Projekte, ungelöste Fragen und Problemstellungen rasen durch Ihren Kopf. Sie zermartern sich den Schädel über wer-weiss-was und Ihr Herz schlägt heftig angesichts bevorstehender Prüfungen des Lebens.
Ein Gedanke jagt den nächsten, wie Affen, die von Baum zu Baum springen, und Ruhe scheint erst möglich, wenn alle Dinge abgearbeitet, erledigt und gelöst sind.
Pustekuchen. Traumschlösser. Vergessen Sie’s. Der Moment wird nie kommen. Auf den Augenblick, wo Sie sich entspannt zurücklehnen können, weil alle Dinge in bester Ordnung sind und es keinen Grund zur Sorge mehr gibt können Sie bis zum Sanktnimmerleins Tag warten. Er wird nicht kommen. Selbst wenn Sie den letzten Atemzug aushauchen wird es unerledigte Dinge, ungelöste Probleme und Sorgen geben, die keine Beruhigung erfahren haben.
Was also tun angesichts dieser dramatischen und ausweglosen Situation? Verzweifeln? Schwermütig werden? Klagen? Weit gefehlt.
Nehmen Sie den ganzen Kram und bringen Sie ihn nach Aussen. Bringen Sie all diese unerledigten Dinge, Ideen, Gedankenblitze, Projekte und Projektideen an einen Ort, wo sie sicher sind und nicht verloren gehen. Entlasten Sie Ihr Hirn. Nutzen Sie Ihren Kopf nicht als Schüssel für Ihren Gedankensalat, sondern für wichtigere, kreativere und lustigere Dinge.
Kleine Pausen sind kleine Ferien
Seneca: “Man sollte sich Entspannung gönnen; leistungsfähiger und lebhafter werden wir uns nach einer Ruhepause erheben. Wie man fruchtbare Felder nicht überfordern darf – rasch nämlich erschöpft sie eine ununterbrochene Fruchtfolge -, so schwächt die geistigen Energien ständige Anstrengung. Sie erstarken wieder nach ein wenig Erholung und Lockerung. Die Folge unablässiger Arbeit ist eine gewisse Abstumpfung und Erschöpfung.”
Sommerzeit. Ferienzeit. Wir müssen noch unsere sieben Sachen zusammen packen und dann geht’s los in den wohlverdienten Urlaub. Eine Woche Tessin. Mit den Kindern zum See baden gehen, lesen, schlafen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
In der Existenzgründungsphase ist es nicht immer möglich, Urlaub zu machen. Eine Freundin hat sich im Pflegebereich selbständig gemacht und kann in der augenblicklichen Situation nicht weg, ohne dass Ihre Kunden/Patienten Schaden nehmen würden.
Gerade dann ist es wichtig, die kleinen Pausen, die kleinen, spontanen Gelegenheiten zu nutzen, um aufzutanken, Entspannung und Ausgleich zu finden. Welche Aktivitäten, welche Umgebung, welche Menschen helfen Ihnen, aufzutanken und neuen Atem zu schöpfen?
